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Kölner Rosenmontag 1936

, 12 min

 

Titel: Kölner Rosenmontag 1936
Untertitel: Karneval in den 1930er-Jahren

Inhalt

Der Film beginnt mit Bildern vor dem Kölner Rathaus: Prinz, Jungfrau und Bauer besteigen umringt von einer großen Menschenmenge und Trommelgruppen den offenen Wagen. Es folgen Aufnahmen des Zuges: am Straßenrand stehen dichtgedrängt die Menschen (nicht verkleidet) und winken den kostümierten Fußgruppen und Wagen zu.
Das Motto des Rosenmontagszuges 1936 lautete: "Alt Kölle läv en Spröch un Zitate". Eswird von einem Schildträger präsentiert, gefolgt von der 1. Gruppe,den Blauen Funken, einem Kölner Traditionskorps, das traditionell die Spitzedes Zuges bildet, sowie weiteren Gruppen. 

Zur Vorgeschichte und der historischen Einordnung:
Im Rahmeneiner Recherche zur Kölner Filmgeschichte hatten wir Kontakt mit dem KlemensLindenau-Archiv in Bremen aufgenommen, das dort im Filmarchivdes Landesinstituts für Schule (Zentrum für Medien/LIS) angesiedelt ist. Wir erhielten eine Liste mitFilmen, die Köln-Bezüge haben. Auf dieser Liste befand sich u.a. der Hinweisauf einen (Stumm-)Film aus den 1930er-Jahren mit Aufnahmen zum Kölner Karneval,der im Filmarchiv des Landesinstituts für Schule Bremen lagerte.
Dieunbeschriftete Filmrolle war dem Filmarchiv, so ergaben Nachforschungen, vomSohn eines Mitarbeiters der Werbeabteilung des Norddeutschen Lloyd übergebenworden. Das legt die Vermutung nahe, dass der Film – ausgestattet mitZwischentiteln in deutscher und englischer Sprache – auf derNDL-Nordamerika-Linie Bremerhaven – New York als Teil desUnterhaltungsprogramms den Passagierenpräsentiert wurde.

Bei einer ersten Sichtung des Films, dessen Anfangssequenzendas Kölner Dreigestirn, Prinz, Bauer und Jungfrau, zeigen, stellte sich heraus,dass es sich bei dem Prinzen um Fritz Riese handelte, der 1936 dieses Amtbekleidete.
Noch bedeutsamer aber war, dass im Film auch der Mottowagen "Demham se op d’r Schlips getrodde" gezeigt wird, ein berüchtigter antisemitischerWagen aus dem Rosenmontagszug 1936, der auf die im Jahr zuvor erlassenenNürnberger Rassegesetze anspielte. Von diesem Wagen – und anderenantisemitischen Äußerungen im Kölner Karneval zwischen 1933 und 1939 – gab es bisdahin nur einige wenige Fotos. Mit dem Film liegen nun erstmals bewegte Bildervor, die die weitgehende Anpassung des Kölner Karnevals an die NS-Ideologieverdeutlichen – er ist somit ein weiterer wichtiger Beitrag zur Aufarbeitungder NS-Vergangenheit des Kölner Karnevals, die lange Zeit tabuisiert wurde.

Aufgrund dieser ersten Erkenntnisse hat Köln im Film dannin Zusammenarbeit mit dem Festkomitee Kölner Karneval eine ausführliche,minutiöse Auswertung des Films initiiert, die von Fachleuten des KölnerKarnevalsmuseums, dem Historiker Marcus Leifeld (der ein Dissertation zum ThemaKölner Karneval in der NS-Zeit“ verfasst hat) sowie den Historikern Fritz Bilz und Carl Dietmar vorgenommen wurde.

Im Rahmen derAuswertung wurde deutlich,  dass der das12-minütige Material in der Tat hauptsächlich Aufnahmen des Rosenmontagszuges1936 enthält. Vor allem Markus Leifeld wies aber darauf hin, dass von Minute 4:53 bisMinute 6:18 Wagen und Gruppen gezeigt werden, die nicht im Programmheft des Zuges von 1936 aufgeführt sind.  
Ab Minute 4:53 wird einWagen 8 gezeigt, der den NS-Funktionär Willi Ebel als Schützenkönig vonSülz-Klettenberg darstellt – dieser Wagen fuhr aber bereits in den Schull- undVeedelszügen des Jahres 1933 mit (dem am Sonntag vor Rosenmontag stattfindendenUmzug, an dem Kölner Schulen und kleinere Vereine aus den Stadtviertelnteilnehmen dürfen).
Der Wagen "Zillche vun der Wolkenburg" (5:15ff.) wurde fürden Rosenmontagszug 1934 gebaut, ebenso der Wagen 21: "Riesen schrubbt dieStadt sauber" (5:35-5:40), der den 1933 eingesetzten OB Günter Riesen als "Saubermacher" präsentiert.
Dass man im 1936er Umzug Wagen aus früheren Jahren nochmalsmitfahren ließ, ist so gut wie undenkbar; es deutet also alles darauf hin, dassdie ungenannten "Macher" des Films auch Aufnahmen aus dem Jahre 1934verwendeten (bis etwa 6:18).
Ab Minute 6:30 sind dann wieder Gruppenund Wagen zu sehen, die eindeutig dem Rosenmontagszug von 1936 zuzuordnen sind,beginnend mit der 3. Gruppe "God Duve kumme widder!" Bemerkenswert ist auch,dass der Kölner Redner Karl Küpper, der als einziger Karnevalist den Nazis dieStirn bot, im Zug auftritt, auf einem Kamel reitend (7:43-7:49).
Nach weiteren Wagen kündigt dann ein Schildträger den 13. Wagen: "Dämham se op d´r Schlips getrodde" an, auf dem ein Paragraphenzeichen,ausgestattet mit gestiefelten Beinen, einem durch eine Hakennase als Judegekennzeichneten Mann auf den Schlips tritt (8:29-8:46) – womit inperfider Weise die Nürnberger Rassegesetze kommentiert wurden, die im September1935 erlassen worden waren. Sie bildeten die gesetzliche Basis für die Ausgrenzungund Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Als Folge davon hatten auch die KölnerKarnevalsgesellschaften „nicht-arische“ Mitglieder auszuschließen. DenWagen verantwortete der Festausschuss Kölner Karneval, der Entwurf stammte von Franz Brantzky.

Die Filmaufnahmen wirken professionell,zahlreiche Aufnahmen aus leicht erhöhter Position bieten einen Überblick überdas Geschehen, die Kamera schwenkt an den Wagen entlang, ab und zu scheint der Kameramannauch direkt am Straßenrand zu stehen. 

Das Landesfilmarchiv Bremen (Zentrum für Medien/ LIS) hat uns das Material zur Verfügung gestellt, es wurde restauriert mit Unterstützung des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW und des Festkomitees Kölner Karneval von 1823 e.V.
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Weitere Angaben

Format: 16mm
Farbe: s/w
Ton: Stumm
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