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Vom „Kinematographen“ zum Kino

 
 

Die erste öffentliche Kinovorführung der deutschen Filmgeschichte vor einem zahlenden Publikum fand am 20. April 1896 in Köln statt.

Der Ort dieser ersten Filmvorführung war ein Haus am Augustinerplatz 12 (heute Hohe Pforte), in dem die Deutsche Automaten Gesellschaft (DAG), ein Tochterunternehmen der Firma Gebrüder Stollwerck, einen Saal angemietet hatte.
Im ersten Stock des Gebäudes wurden zwölf kurze Filme aus Frankreich präsentiert. Die „vues Lumière“ bestanden aus einer Einstellung von ca. 40 Sekunden – so lange, wie der 17 Meter lange Filmstreifen zu belichten war. Für einen Eintrittspreis von 50 Pfennig (reservierte Plätze kosteten eine Mark) konnten die Kölner erstmals die neue Erfindung der „lebenden Bilder“ bestaunen.

Varieté, Jahrmärkte und Theater

 

Die Vorführungen dieser technischen Neuerung waren damals Teil von Varieté-Programmen, fanden auf Jahrmärkten und in Theatern statt. Noch zogen die Vorführer mit dem „Kinematographen“ von Ort zu Ort. Mit den kurzen, oft nur wenige Minuten langen „Films“ wie man die frühen Filmstreifen damals nannte, ließ sich allerdings noch kein abendfüllendes Programm gestalten. Sie wurden daher eingebettet in Sketche, akrobatische Einlagen und Zaubertricks, Tanzdarbietungen und Revuenummern. Oft dienten die „sensationellen neuen Bilder“ gar als Rausschmeißer, weil die Qualität der Projektoren noch äußerst bescheiden war und auf den weiß getünchten Wänden in den Veranstaltungssälen oft nur wackelnde und flimmernde Schemen zu sehen waren.

Das Kino etabliert sich

 

Feste Abspielstätten etablierten sich erst ab 1906, als mit der Weiterentwicklung der Aufnahme- und Projektions-Technik auch längere Filme vorgeführt werden konnten. Das erste Kino wurde in Köln 1906 von Ludwig Stollwercks Deutscher Automaten Gesellschaft eröffnet, das Biographische Institut an der Hohen Pforte. Im selben Jahr folgte mit dem Weltkinematograph ein weiteres Innenstadtkino in der Schildergasse. (Mehr zu Stollwerck)

1907 gab es in Köln schon fünfzehn Kinos, darunter auch das erste Vorstadtkino in Nippes. Die Kinobegeisterung dieser Zeit war groß, ehemalige Theater und Varietés, wie z.B. das Apollo wurden zu Lichtspieltheatern umgebaut. Und bereits 1910 konnte das Kölner Kinopublikum unter 19 Kinos auswählen.

 

Die Hohe Straße entwickelte sich zur Kinomeile und die Lichtspielhäuser wurden immer prächtiger. Im Pariser Kinema auf der Hohe Straße, das mit seinen 600 Plätzen als das „vornehmste Theater am Platze“ galt, fanden 1908 von 14 bis 23 Uhr Vorstellungen statt.
Auch spektakuläre Kinopaläste wie das Moderne Theater auf der Breite Straße, im Jahre 1912 mit 1.400 Plätzen (!) im Stil damaliger Opernhäuser gebaut, galten als richtungsweisend.

Noch zu Beginn des Jahres 1914 war der Kinoboom in Köln ungebrochen. Den Soldaten, die in der Stadt auf ihre Einsätze an der Front warteten, boten die Kölner Kinos Sondervorstellungen und „Militärlichtspiele“ an. Bald schon sanken die Zuschauerzahlen, nur wenige konnten sich noch einen Kinobesuch leisten, die meisten Männer waren eingezogen. Von den 31 Kinos, die es vor dem Ersten Weltkrieg in Köln gab, existierten 1918 nur noch 24.

„Castans Panoptikum“

 

Durch seine lokalen Schwerpunkte bei der Programmierung von Filmen nahm Castans Panoptikum alsbald eine besondere Rolle im frühen Kino ein. Das seit 1879 bestehendePanoptikum in der Frohngasse in Riehl hatte sich innerhalb weniger Jahre zu einem solchen Publikumsmagneten entwickelt, dass finanzkräftige Kölner Geschäftsleute und der Berliner Bildhauer Gustav Castan ein zweites, zentral gelegenes Figurenkabinett in der Innenstadt planten. Der für rund eine Million Mark von den Architekten Schreiterer und Below erbaute „Prachtbau“ auf der Hohe Straße 11-13 wurde bei seiner Eröffnung am 23. August 1897 von der Presse „als neue großstädtische Sehenswürdigkeit“ gewürdigt. Im Theatersaal wurden - eingebettet in ein buntes Varietéprogramm - kurze, aktuelle Filme gezeigt. Als besondere Attraktionen galten Aufnahmen des deutschen Kaisers Wilhelm II., aber auch lokale Ereignisse wie die „Marktscene Altermarkt“, „Ausladen des Seedampfers Neptun im Kölner Hafen“, die „Seelöwen im Zool. Garten“, die „Kölner Feuerwehr“ und „der Kölner Carnevalszug“.