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Kintopps in Kölner „Veedeln"

 
 

Nicht nur auf der Hohe Straße, auch in den Vororten Nippes und Ehrenfeld und in den noch eigenständigen Industriestädten Kalk und Mülheim entstanden in den Jahren 1906/7 erste Kinematographen-Theater. Kintopps (angeblich stammt der Berliner Ausdruck Kintopp aus der Zusammensetzung von Kinematograph und Topp, d.h. ein Glas Bier) waren häufig in Sälen und Nebenräumen von Gaststätten eingerichtet und lagen an belebten Durchgangs- und Ausfallstraßen.

Anders als in der Innenstadt waren die Vorortkinos in den Händen von Gastwirten und unabhängigen Kinematographen-Besitzern. Um die Filme lukrativer auswerten zu können, besaßen sie oft mehrere Lichtspielhäuser, wie der Kinopionier Wilhelm Niessen. 1907 betrieb er das Biophoto-Theater in Nippes (Neusser Straße 257), das erste Vorortkino Kölns; im August 1908 kam das Viktoria-Theater auf der Hauptstraße 89 in Kalk hinzu. In kurzer Folge eröffnete er 1911 und 1912 zwei weitere Kinos auf der Kalker-Hauptstraße, u.a. die Corso-Lichtspiele. Noch während des Ersten Weltkriegs nahm er 1915 ein Kino auf der Kalk-Mülheimer-Str. 81 in Betrieb.

 


Auch der Gastwirt Josef Kühbach, der im Dezember 1907 in einem angemieteten Saal das Rheingold-Theater im damals noch eigenständigen Mülheim (Buchheimerstraße 9) eröffnete, zählte zu den frühen Kinounternehmern. Das Rheingold-Theater war das erste Kino im Rechtsrheinischen, mit deutlich günstigeren Preisen als in der Innenstadt: Der Eintritt betrug 20-50 Pfennig, Kinder und Soldaten zahlten 15 Pfennig. 1910 eröffnete Kühbach in der Keupstraße 69 in Mülheim ein weiteres Kino, das Central Lichtspielhaus mit 200 Plätzen.

Dreizehn neue Kinos wurden zwischen 1933 und 1942 in Köln gebaut, allerdings keine „Paläste“ mehr, sondern eher kleinere Kinos mit bis zu 500 Plätzen. Vor allem in den Vororten, die bis dahin noch keine Kinos hatten, eröffneten neue Vorführstätten, u.a. in Dünnwald, Deutz, Kalk und Mülheim, in Brück und Poll, Ehrenfeld, Braunsfeld, Merheim und Buchforst.

Kinos in Ehrenfeld

 

Bereits 1907 eröffnete das erste Lichtspieltheater in Ehrenfeld, das „Ehrenfelder Volkstheater“ auf der Venloer Straße. Es folgten das „Elektro-Biograph-Kinematographentheater“ (1908) und das „Helios“ (1909), das bis 1982 existierte.

Das Primus auf der Venloerstr. 312 wurde 1919 als Rheinland-Lichtspiele eröffnet, ab 1937 dann als Primus-Palast. Mit 750 Plätzen wurde dieser 1952 auf dem Trümmergrundstück des im Krieg zerstörten Kinos wieder errichtet. Er existierte bis ca. 1963.

Die Venloer Straße war die „Kinomeile“ des Veedels. Über die Jahrzehnte gab es im Stadtbezirk 17 Kinos.