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Heinrich Pachl über die "Kölner Wochenschau"

Im Kino „Savoy“ am Zülpicher Platz lief im Juni 1978 vier Wochen lang die „Kölner Wochenschau“. Heinrich Pachl, Mitbegründer des Videomagazins, berichtet in der StadtRevue vom Juni 1978 über Ziele und Erfahrungen:

"In der Kölner Wochenschau arbeiten wir derzeit zu viert. Wir haben Spaß am Filmen und haben vor gut zwei Jahren angefangen, zu planen und zu diskutieren. Wir haben die Absicht, die Kölner Alltagsprobleme als Betroffene und mit Betroffenen darzustellen und möglichst viel über das, was in den einzelnen Stadtgebieten vor sich geht, zu informieren. Im Herbst 1976 haben wir die notwendigen Produktionsmittel angeschafft und mit der Filmerei begonnen. Schwerpunkte der Filmarbeit seither waren
- Mieterprobleme im Bereich des sozialen Wohnungsbaus
- Stadtautobahn und Verkehrsbelästigung
- Stadtsanierung im Severinsviertel
- Prozessberichterstattung beim Verfahren gegen Roland Otto und Karl-Heinz Roth
- Selbsthilfe der Mieter in Ehrenfeld (ehemalige Werkswohnungen der Fa. Mauser)
- Proteste gegen Wohnhäuserzerstörungen in der Gladbacher Straße (Gothaer Versicherung)
- Protest gegen den Schnellen Brüter in Kalkar.
Die Filme, die wir zu diesen Problemen und Ereignissen hergestellt und vorgeführt haben, sind alle in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Initiativen und Interessengruppen von Betroffenen entstanden. Die meisten dieser Filme sind aus dem Blickwinkel der direkt Betroffenen für die Betroffenen zusammengestellt worden. Zum Teil haben wir als Videogruppe selbst das Problem aufgegriffen und anschließend den Rohschnitt mit den Betroffenen diskutiert. Daraus ergaben sich dann die Änderungen für den Schnitt. Zum Teil sind die Filme völlig selbständig von den Mitgliedern der Initiativen bearbeitet und geschnitten worden.

Für manche Video-Theoretiker spielen solche Unterscheidungen eine ausschlaggebende Rolle; wahrhaft echte emanzipatorische Videoarbeit ist für sie nur die, bei der die Videogruppe sich darauf beschränkt, die Geräte zur Verfügung zu stellen und die technische Anleitung zu geben. (…) Unser Selbstverständnis beschränkt sich nicht darauf, nur Technik und Methodik zu vermitteln und das mit dem Geräteverleih zu organisieren, sondern auch selbst Filme zu machen, die in der politischen Basisarbeit sinnvoll und nützlich sind – und Spaß machen.
Wir haben ein paar Versuche gemacht, Filme in Kneipen und auf dem Marktplatz zu zeigen, um die Leute aus dem Viertel anzusprechen, um sie über das, was in der direkten Nachbarschaft passiert, zu informieren. Hier ist eine Klarheit und Direktheit erforderlich, auf die man nicht vorbereitet ist. Die Geduld, die dieselben Leute vor dem Fernseher zu Hause aufbringen, ist hier nicht vorhanden. Es wäre sehr wichtig, diese Aufführungssituation zu nutzen, aber wir haben noch keine Erfahrungen, wie wir ihr entsprechen können. Wir haben festgestellt, dass wir überhaupt viel mehr Erfahrungsaustausch über die Videofilme, die Inhalte, die sie mitteilen wollen, herstellen müssen: zwischen Betroffenen, Filmemachern und Zuschauern. Solange die Filme selten gezeigt werden, weil sie zu lang sind, weil es zu wenig Abspielmöglichkeiten gibt, weil sie nur für einen ganz bestimmten, aufgeschlossenen Publikumskreis gut sind, weil zuviel Zeit zwischen dem Herstellen der Filme vergeht und man die Erfahrung aus der Kritik wieder vergisst, wird die Filmarbeit mit Video über das, was man auch mit Super 8 und 16 mm erreichen konnte, im wesentlichen nicht hinausgehen.
Wir haben im Juni dieses Jahres vier Fernsehapparate im Savoy installiert, um hier regelmäßig im Abendfilmprogramm im wöchentlichen Wechsel die „Kölner Wochenschau“ zu zeigen. Wir haben die ersten drei Ausgaben herausgebracht und machen zur Zeit eine Pause, um eine erste Bilanz zu ziehen. Die Wochenschau im Kino soll uns in dem beschriebenen Projekt einen Schritt weiterhelfen. Jede Wochenschau hat nur ein Thema und ist 6 bis 15 Minuten lang. Sie stellt eine Episode eines größeren Zusammenhangs dar. Sie soll als Form so weiterentwickelt werden, dass sie auch auf der Straße und in der Kneipe das Publikum anspricht. Wir machen unserer Filmarbeit nicht für das Vorprogramm eines Kinos, sondern das Vorprogramm im Kino erweitert die Öffentlichkeit für Informationen aus dem Kölner Alltag. Es ist nach unserer Meinung notwendig, möglichst viele Abspielmöglichkeiten einzurichten. Im „Exil“, in der „Wundertüte“, im „Anderen Buchladen“ sind die Abspielgeräte schon installiert. Die nächste Wochenschau im Savoy läuft ab dem 9. September.

H.P./Kölner Wochenschau