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Die junge Kölsch-Rockszene Anfang der 1980er-Jahre

In den siebziger Jahren entwickelte sich in Köln eine lebendige Rock-Szene, die ihre Songs neben deutsch und englisch verstärkt auch im heimischen Dialekt sang. „Kölsch-Rock“ wurde zum Markenzeichen.

Mathias P. Laermanns und Werner Stein dokumentierten 1981 in ihrem Film "Einfach aufdrehn - Musiker und die Realität", die Anfänge der Kölsch-Rockszene. Zeltinger-Band und BAP, Acapulco Gold und Nichts geht mehr, Arno Steffen und Holger Czukay, Jaki Liebezeit und Dick & Alex - die damals jungen Protagonisten der Kölner Musikszene stehen am Anfang ihrer Karriere und erzählen offen und mit Witz von Lust und Frust als Kölsch Rocker.

Die Dokumentation beginnt mit Ausschnitten aus einem Zeltinger-Konzert. „Alles klar Dreckspack?”, begrüsst der „Chef” seine Fangemeinde, während er mit einer Hand seinen massigen nackten Bauch massiert. Jürgen Zeltinger war 1981 der König der Szene. Im Kölner In-Club Roxy nahm er 1979 sein Debut-Album „Live im Roxy” auf. Beim Backstage-Interview präsentiert sich Zeltinger im paillettenbestickten rosa Overall und mit dem ehrlichen Bekenntnis: „Ich habe nie wirklich genug Geld verdient.”

Auch King Size Dick gehörte von Anfang an zur Szene. Der ehemalige Roadie der Bläck Fööss trat ab 1981 mit seinem Partner Alex Parche als Dick & Alex auf. Während er zwei Jahrzehnte später eher für ein gepflegt vorgetragenes „New York, New York” bekannt ist, entleerte er damals auf dem Höhepunkt seiner Konzerte schon mal zwei Dosen Bier über seinem zotteligen Haupt.

Kaum einer der Musiker konnte in den Anfängen von seiner Musik leben wie der Film von Mathias Laermanns und Werner Stein zeigt. Arno Steffen, Anfang der achtziger Jahre Mitglied der Rockgruppe Triumvirat und Produzent der Zeltinger Band (und 1993 in dem Film „Mach die Augen zu und komm” porträtiert), rechnet vor laufender Kamera vor, warum ein Straßenbahnfahrer mehr verdient, als der Musiker einer Band, deren Album sich 100.000 Mal verkaufte.

Auch Wolfgang Niedecken stand damals ohne regelmäßige Einnahmen und ohne soziale Absicherung da. Im Jahre 1981 betrieben die Mitglieder von BAP ihre Musik noch als Hobby. „Die dritte LP soll mal so viel abwerfen, dass wir uns davon ernähren können”, wünschte sich Wolfgang Niedecken im Filminterview, ein Wunsch, der bekanntlich in Erfüllung gehen sollte: Das dritte BAP-Album „Für usszeschnigge” landete auf Platz 1 der Charts!

Mehr als zwanzig Jahre später ist die Dokumentation über die Kölner Musikszene mit ungeschminkten und authentischen (Selbst-)Darstellungen der einzelnen Musiker ein seltenes Zeitdokument. Nicht zuletzt lässt es Schmunzeln, gewährt es doch – angesichts der heutigen Erfolge seiner Protagonisten – einen Einblick in die Anfangszeit des Kölsch-Rock, die fast schon vergessen ist.