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"Köln für Cineasten" von Hans C. Blumenberg, Köln 1972
"Ins Kino gehen kann man in Köln praktisch rund um die Uhr ... Mit seinen rund vierzig Kinos gehört Köln zu den attraktivsten Film-Städten der Bundesrepublik..."
(Artikel als pdf)

Zu einer deutlich weniger positiven Einschätzung kommt Heiko R. Blum zwei Jahre später:

"Kinoszene Köln" von Heiko R. Blum, Kinobuch 1974/75
"In Köln gibt es heute 45 Kinos; 28 davon sind sogenannte Erstaufführungshäuser, davon gehören die Lupe 1+2 der "Neuen Filmkunst", drei (Melville, Pullman und Bambi) sind der Arbeitsgemeinschaft Kino angeschlossen; von den übrigen Häusern bemüht sich nur noch das "Intime Theater" um ein anspruchsvolleres Angebot im Sinne der Programm-Kinos. Zwei nicht-kommerzielle Spielstellen, die "Cinemathek e.V." und XSCREEN, veranstalten regelmäßige Filmreihen.

Bis 1965 war die Kölner Kinoszene trostlos, es gab kaum Kinos mit kontinuierlichem Programm. 1965 eröffnete der Verleih Neue Filmkunst "Die Lupe", drei Jahre später die "Lupe 2".  Er folgte aber im Grunde nur dem Schema aller Kirchner-Kinos, die "klassische Filmkunst" und "gehobene Unterhaltung" nach einem vom örtlichen Kinomarkt unabhängigen Schema zu programmieren. 1970 waren das Bambi-Studio (damals 184 Plätze) und die "Cinemathek e.V." die einzigen Stellen, die Filme zu Programmen ordneten und sich auch schwieriger, für kommerzielle Häuser unrentabler Filme annahmen. (...)

1971 eröffnete der gleiche Besitzer im "Treffpunkt Kino" das Action-Haus "Eldorado" (300 Plätze), 1972 das neue Bambi-Studio mit 96 Plätzen, während das alte Bambi zum Familienkino "Die Kurbel" unfunktioniert wurde. Seit Anfang 1974 zeigt das Bambi-Studio keine Sonderveranstaltungen oder Originalfassungen mehr. Erfolgreichster Film des Jahres 1974 war "Papermoon" mit sechs Monaten Laufzeit. Mit der Eröffnung des Kinos im Uni-Center-Melville (150 Plätze), Paris Pullman (100 Plätze) - erfuhr die Kölner Kinoszene eine maßgebliche Bereicherung, zumal es hier – im Gegensatz zu den Schwierigkeiten des kleineren Bambi – häufiger gelang, wichtige Filme rechtzeitig terminieren zu können.

Vier weitere neu eröffnete Kleinkinos bemühen sich kaum um ein kontinuierliches Programm, meist dienen sie nur als Nachspielhäuser für die großen Kinos. So hatte das Cinema Prinzess im "Rex Cinecenter" eine Reihe interessanter Filme angekündigt, einige wie "Angst essen Seele auf", "Wildwechsel", "Die Verrohung des Fanz Blum" auch gespielt, doch ließ die Art der Präsentation ein wirkliches Interesse an den Filmen nicht erkennen.

Hingewiesen werden muß noch auf die allgemein miserable technische Ausrüstung der Kölner Kinos (nicht besser ist es allerdings in Düsseldorf und Frankfurt). Außer den Kinos im Uni-Cenetr gibt es kein Haus mit einwandfreier Ton- und Bildtechnik. Die wenigen lokalen 70mm-Häuser mit Stereoausrüstung sind technisch unzulänglich, nur in wenigen Kinos (Uni-Center, Bambi, Rex) werden Filme im Normalformat vorgeführt, sehr häufig ist die Projektion ungenau."

Auch 1987 gerät der Blick auf die Kinolandschaft nicht viel positiver.

Kinostadt Köln von Philip Siegel in "Köln zwischen Himmel un Ääd" (1987)
"Gehen wir ins Detail, machen wir Nägel mit Köpfen, reden wir von dem, was man sich in Köln unter einem guten Kino vorzustellen hat. ... Das "Residenz" am Kaiser-Wilhelm-Ring steht von seiner exponierten Technik her an der Spitze, ein Kino, in dem man sich "Apocalypse Now" oder "2001" immer wieder ansehen kann, da diese Filme hier erst ihrer richtigen Bestimmung zugeführt werden. Das "Capitol" am Friesenplatz ist noch ein Kino der alten Garnitur: sperrige Holzsitze, eine sich stark neigende zweite Etage, in dessen vorderster Reihe auch noch der Kleinste alles mitbekommt. Die Langnese-Frau paßt hier ebenso wie die großformatigen Anschläge im Foyer.
Als drittes Kino unter den sogenannten "Giganten" steht der "Ufa-Palast": mit seinen dreizehn Ablegern, versteckt hinter diversen Vorratskämmerchen und Toiletten sind es das Kino 1 und das Atelier, die den acht Mark Genüge tun....
Der vierte und letzte Palast im Köln ist das "Theater am Rudolfplatz". Obwohl es sich im geographischen Mittelpunkt dieser Stadt befindet, rechnerisch gesehen also das Zentrum von Köln darstellt, hält die Talfahrt, wohl mitverursacht durch den nie enden wollenden U-Bahn-Bau auf und unter Kölns "Prachtstraße", dem immer verstopften Ring, beständig an und die 20 Zuschauer, die sich dann und wann mal einstellen, tun ihr übriges zu dem Gerücht, daß dieses Kino sich nicht mehr lange halten wird...
Und jetzt wieder dieser schale Geschmack: was, verdammt nochmal, unterscheidet denn ein Programmkino von dem, was da "kommerzielles Kino" genannt wird. Sollte es denn so einfach sein, hier Chabrol und dort Stallone? ....
Programmkino in Köln ist nur mehr eine Idee. Es gab eine Zeit, da hat diese Idee funktioniert. Inzwischen ist man faul geworden. Vom eigenen Anspruch einer Mischung aus "British Film Institute" und "Cinemathèque francais" ist die "Cinemathek Köln" eine kulturell geförderte Einrichtung, die sich nicht schwer damit tut, wirklich originelle Reihen zu erfinden... Die Reihe "Die besten Filme des letzten Jahres" hat sich zu einer publikumsträchtigen, aber uninteressanten Einrichtung gemausert....
In seiner Anfangszeit stark, dann weniger und nun in den letzten Monaten wieder verstärkt, hat sich das Kölner Renommier-Programmkino "Broadway" in der Ehrenstraße mit seinen drei Kinos auch den nicht-aktuellen Filmen gewidmet.... ansonsten gilt auch hier die Devise: originelle Filma "ja", aber nur solange sie ohne Probleme zu beschaffen sind."