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Kölner Kinos im Nationalsozialismus

Nachdem sich Film und Kino in den zwanziger Jahren ihren Platz als kulturelle Ausdrucksform und Einrichtung erkämpft hatten, übernahmen sie in den Jahren des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle in der Propaganda. Und wie andere Bereiche des öffentlichen Lebens waren auch Filmkultur und Filmproduktion von den Gleichschaltungsmaßnahmen der NSDAP betroffen. In Köln ebenso wie in anderen Städten.

Gleichschaltung auf allen Ebenen

„So wurde der Westdeutsche Rundfunk mit der Unterstellung unter die Reichsrundfunkgesellschaft und der Beurlaubung des damaligen Intendanten Hardt... zum staatstreuen „Reichssender“; der „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde ebenso wie die „Zentrum“-nahe „Kölnische Volkszeitung“ vom „Westdeutschen Beobachter“ aus ihrer Position der wichtigsten Kölner Tageszeitung zeitweilig verdrängt: selbst der Karneval blieb nicht unberührt von der Propagandastrategie der Nationalsozialisten.“ (Anita Post in „Vom Sehen im Dunkeln“, 1990)


Kölner Stadt-Anzeiger 30.6.1933

Ein Beispiel für die rasante und umfassende Vereinnahmung: 1922 hatte Fritz Lang den Stummfilm „Nibelungen, 1. Teil, Siegfrieds Tod“ gedreht. Nur wenige Monate nach der Machtergreifung 1933 verließ der Regisseur Deutschland. Er ging zunächst nach Frankreich, bevor er endgültig in die USA emigrierte. Die Nationalsozialisten vertonten den Film und brachten ihn bereits im Ende Juni 1933 in die Kinos. Der Ufa-Palast in Köln warb: „Die Siegfriedsage, mit den Mitteln edelster Filmkunst verlebendigt, schenkt reinste Freude am deutschen Legendenschatz.“ Und der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb am 30.6.1933:  „Wie ein heiliger Glaube wurde in diesem Film uns, den Nachfahren, die germanische Größe zelebriert...“

Kontrollierte Spielpläne

Durch das Lichtspielgesetz vom 16.2.1934 waren nur noch Mitglieder des „Reichsverbandes der Deutschen Filmtheater“ als Kinobesitzer zugelassen. So wie auf den Spielplan wurde auch Einfluss auf die Programmabfolge genommen: Die „Anordnung zur Programmgestaltung“ vom 18.7.1934 legte fest, was erlaubt war zu zeigen: „1. Wochenschau, 2. Einen anerkannten Kulturfilm, 3. Bis zu drei Akten und höchstens insgesamt 900 m sonstigen Beiprogramm (z.B. Lustspiele, Grotesken usw.) neben einem abendfüllenden Spielfilm.“ (Jürgen Spiker „Film und Kapital, 1975)

Ab 1939 waren dann alle Kinobetreiber verpflichtet, an einem Sonntagmorgen im Monat die Säle für „Jugendfilmstunden“ zur Verfügung zu stellen.


Straßenbahn-Propaganda 1936

Rheinisch-Westfälische Filmzeitung Nr. 31, 1936

Das Kino Scala im Stadtzentrum (Herzogstraße) zeichnete sich nach mehreren Umbauten im Innen- wie Außenbereich als besonders herausragendes Kino aus. Bei der Wiedereröffnung im Sommer 1937 sprach auch Werner Hürfeld, der Kinobesitzer. Er „skizzierte in seiner Ansprache die schöne und edle Aufgabe des Theaterbesitzers, möglichst viele Volksgenossen teilhaftig werden zu lassen am ungetrübten Genuß des Kultur- und Kunstwerks Film, das im Deutschland Adolf Hitlers zu einem Bildungsfaktor ersten Ranges geworden sei. Dieser jungen Kunstform zu dienen und zu weiterem Aufstieg zu verhelfen, sei die gemeinsame Aufgabe aller Deutschen“ (Rheinisch-Westfälische Filmzeitung, 31.7.1937) Ein Jahr später erhielt die Scala eine staatliche Auszeichnung vom Gauleiter Grohé, in Form eines „Gaudiploms für hervorragende Leistungen im Leistungskampf der deutschen Betriebe zum 1.Mai“. (Ab 1950 führte Hürfeld das wieder aufgebaute Kino als Kleine Scala weiter.)

Kinos in den Vorstädten


Das „Merli-Kino“ in Mauenheim (damals Merheim) um 1938/39

Fotowerkstatte Hugo Schmölz/ Archiv Wim Cox

Dreizehn neue Kinos wurden zwischen 1933 und 1942 in Köln gebaut, allerdings keine „Paläste“ mehr, sondern eher kleinere Kinos mit bis zu 500 Plätzen. Vor allem in den Vororten, die bis dahin noch keine Kinos hatten, eröffneten neue Vorführstätten, u.a. in Dünnwald, Deutz, Kalk und Mülheim, in Brück und Poll, Ehrenfeld, Braunsfeld, Merheim und Buchforst. Denn auch hier stellten die Kinos geeignete Orte für filmische Propaganda dar und konnten für Veranstaltungen im Sinne der Partei genutzt werden.

In der Innenstadt entstand noch 1942 das Ufa-Wochenschautheater in der Schildergasse: angesichts der politischen Bedeutung von Wochenschauen als Propagandamittel, ist die Funktion dieses Kinos mitten im Krieg offensichtlich.