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Nachkriegszeit und Kinoneubauten


Neubau 1948: die Hahnentor-Lichtspiele

Historisches Archiv Köln / Max Wette

Am 2. März 1945 fielen die letzten Bomben auf Köln, am 5. März marschierten die amerikanischen Truppen in die westlichen Vororte ein, der Krieg in Köln war zuende. In der bis zu 80% zerstörten Stadt lebten in den letzten Kriegstagen noch ca. 100.00 Menschen.

Am 21. Juni übernahmen die Briten von den US-Truppen die Kontrolle in der westlichen „Besatzungszone“  und damit auch in Köln. In dieser Zeit begann der Wiederaufbau der Stadt, wozu auch die Restauration und Wiedereröffnung der Kölner Kinos gehörte. Schon vier Tage nach ihrem Einmarsch hatten die US-Militärbehörden Friedrich Hengst, der vor dem Krieg ein Geschäft für Radio- und Filmtechnik in der Hahnenstraße besaß, den Auftrag erteilt, eine Bestandsaufnahme über den Zustand der Kinos in der zerstörten Stadt zu machen. Alle Vorführmaschinen, technisches Zubehör, Filme und sonstige Einrichtungsgegenstände von verlassenen, aufgebrochenen oder ausgebombten Kinos sollten gesichert werden. Demnach gab es im Mai 1945 in den Vororten noch sieben funktionsfähige Kinos: Dellbrücker-Lichtspiele, Dünnwalder-Lichtspiele, Merli (Merheim), Deli (Brück), Neues Theater (Mülheim), Astoria (Bickendorf) und U.T. Union Theater (Nippes)... im Dezember desselben Jahres war die Zahl der Lichtspielhäuser bereits auf 14 gestiegen.

Neue Kinos in der Stadt


1.500 Plätze in den Hahnentor-Lichtspielen

Fotowerkstätte Hugo Schmölz/ Archiv Wim Cox

In der Innenstadt blieb zunächst das Millowitsch-Theater in der Aachener Straße 5 das einzige Kino. Bereits im Dezember 1945 erhielt Udo Luck für ein Kino auf der Zülpicher Straße 24 (später Lupe, heute Off-Broadway) folgendes Schreiben aus dem städtischen Hauptamt für Erziehung, Schule, Kunst und Wissenschaft: „Hiermit wird die Eröffnung des Filmtheaters Zülpicher Straße 24 unsererseits befürwortet.“

1948 wurde die ehemalige Schauburg in der Breite Straße 90 (1942 bei einem Bombenangriff zerstört), wieder eröffnet. Im selben Jahr bekam die Stadt einen glanzvollen Kino-Neubau mit den Hahnentor-Lichtspielen am Rudolfplatz, erbaut von Wilhelm Riphahn. Dieses Kino hatte 1.500 Plätze und wirkte in seiner Gestaltung von Foyer, Garderobe und Saal-Zugängen wie eine Vorausschau der von Riphahn entworfenen Oper (1957) und des Schauspielhaus (1962). Die prächtigen „Hahnentor-Lichtspiele“ an der Ecke Hahnenstraße/ Ring waren Teil der Gesamtplanung Riphahns für die Hahnenstraße, die bis zum British Council (erbaut 1950), in der Nähe von St. Aposteln reichte. (Siehe Zeitungsartikel in der rechten Spalte)

Neue Kinos in den Stadtteilen

„Veedelkinos“ der fünfziger Jahre waren das Theater am Weißhaus in Klettenberg, das Corso in Lindenthal, das Rio, die Helios- und die Primus-Lichtspiele in Ehrenfeld, das Parktheater und Union-Theater in Nippes und die Kronen-Lichtspiele in Ossendorf. Kinos, die heute längst vergessen sind.

Nicht nur im Linksrheinischen, auch auf der „Schäl Sick“ lockten neu- und wiedereröffnete Kinos die Besucher an: in Deutz die Kastell-Lichtspiele, in Dünnwald die Filmbühne, in Dellbrück das Komet, in Höhenhaus das Helenentheater, in Höhenberg die Höhenberger Lichtspiele und in Mülheim das Stern am Ring.


Auf die Ausstattung kam es an - Foyer im ehemaligen Ufa-Filmpalast

Fotowerkstätte Hugo Schmölz /Archiv Wim Cox

Zur Eröffnung des neuen Lichtspieltheaters in Mülheim erschien ein Artikel im Köner Stadt-Anzeiger:
"Wenn es heißt, Köln sei die kinofreudigste Stadt im Bundesgebiet, so mag sich das auch auf den Stadtteil Mülheim beziehen. Auf dem Grundstück Clevischer Ring 113 hat der Besitzer der „Komet-Lichtspiele“ in Dellbrück, Franz Ahrweiler, das sehr ansehnliche und gut ausgestattete Lichtspielhaus „Stern am Ring“ erbauen lassen (Entwurf: Dipl.Ing Alfred Höffgen).
An den zweigeschossigen Vorderbau, in dem die Kassen- und Foyerhalle sowie zwei Wohnungen untergebracht sind, schließt sich der breit angelegte Saal mit 520 Plätzen an… Die Innenarchitektur des Saales zeigt ein helles, und heiter anmutiges Gepräge. Über dem holzvertäfelten Sockel erhielten die Wände eine gelbe, ornamentgemusterte Stoffbespannung. Große sternartige Wandleuchten erhellen den Raum… Am Mittwoch, 27.Juni, wird das Theater mit einem Haydn-Film, dem Streifen „Märchenstadt Las Vegas“ (beide in Cinemascope) und dem Film „Alibi“ (Breitwand) festlich eröffnet." (KStA 27.6.1956)


Vor dem Rex am Ring, 1954

Historisches Archiv Köln / Theo Felten

Die Kinoprogramme der ersten Nachkriegsjahre bestanden vor allem aus anglo-amerikanischen Produktionen. Dem Nachholbedarf des filminteressierten Publikums kam das nach zwölf Jahren Faschismus und Zensur entgegen. Vor jedem Film liefen in den Kinos die Wochenschauen, die anfangs von den Alliierten als Mittel der Re-education gesehen wurden. Sie brachten Neuigkeiten aus aller Welt, aber auch lokale Ereignisse, Sport und gesellschaftlichen Klatsch.