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Titel:

Kölner Karneval 1936

Jahr:1936
Länge:12 min


  


Inhalt


Die dokumentarischen Aufnahmen zeigen verschiedene Szenen des Kölner Rosenmontagszuges aus dem Jahr 1936. Sie sind stumm, haben deutsche und englische Zwischentitel.

Der Film beginnt mit Bildern vor dem Kölner Rathaus: Prinz, Jungfrau und Bauer besteigen umringt von einer großen Menschenmenge und Trommelgruppen den offenen Wagen. Es folgen Aufnahmen des Zuges: am Straßenrand stehen dichtgedrängt die Menschen (nicht verkleidet) und winken den kostümierten Fußgruppen und Wagen zu.
Das Motto des Rosenmontagszuges 1936 lautete: "Alt Kölle läv en Spröch un Zitate".

Als 13. Gruppe erscheint zunächst ein Schildträger  "Däm ham se op d´r Schlips getrodde", gefolgt von einem Wagen mit Aufbau: ein Paragraphenzeichen auf Beinen, tritt mit seinen Stiefeln einem durch große Hakennase als Jude gekennzeichneten Mann auf den Schlips. Die Redewendung "Jemandem auf den Schlips treten" kommentiert in perfider Weise die Nürnberger Gesetze, die im September 1935 erlassen worden waren. Sie stellten die gesetzliche Basis dar für Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. In der Folge wurde die Rechtsstellung der jüdischen Bürger und Bürgerinnen durch eine Vielzahl weiterer Gesetze und Verordnungen zunehmend beschränkt – fast alle Bereiche des öffentlichen wie des privaten Lebens waren davon betroffen. Auch die Karnevalsgesellschaft hatten nicht-arische Mitglieder auszuschließen.
Den Wagen verantwortete der Festausschuss des Kölner Karneval, der Entwurf stammte von Franz Brantzky.

Die Filmaufnahmen wirken professionell, zahlreiche Aufnahmen aus leicht erhöhter Position bieten einen Überblick über das Geschehen, die Kamera schwenkt an den Wagen entlang, ab und zu scheint der Kameramann auch direkt am Straßenrand zu stehen.

Auf den Film sind wir dank eines Hinweises aus dem Landesfilmarchiv Bremen gestoßen. Die Filmrolle hatte dort viele Jahre unbeschriftet gelagert. Nachforschungen ergaben: der Sohn eines Mitarbeiters der Werbeabteilung der Norddeutschen Lloyd hatte die Filmdose dem Archiv übergeben. Zu vermuten ist, dass der Film auf den Passagierschiffen der Schifffahrtsgesellschaft zwischen Bremerhaven und New York eingesetzt wurde, zur Unterhaltung zusammen mit Kinderfilmen, kurzen Spielfilmen und Aktualitäten. Das würde die Zwischentitel in deutscher und englischer Sprache erklären.

Das Landesfilmarchiv Bremen (Zentrum für Medien/ LIS) hat uns das Material zur Verfügung gestellt, es wurde restauriert mit Unterstützung des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW und des Festkomitees Kölner Karneval von 1823 e.V.


Kölner Karneval 1936