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Titel:

Allah in Ehrenfeld - Der Bau der Kölner Moschee

Land Jahr:Bundesrepublik Deutschland 2012
Länge:90 min


Regie:Schick, Gerhard
 Schulz, Birgit
Kamera:Bohn, Steffen
 Broer, Dennis
 Drechsler, Henning
 Frey, Saschko
 Hoffmann, Ed
 Lange, Timm
 Pattberg, Tim
 Stahl, Sebastian
Schnitt:Held, Oliver
Musik:Pluramon
Ton:Broer, Dennis
 Hoffmann, Ed
 Pattberg, Tim
 Stahl, Sebastian
  
Produzent:Schulz, Birgit
Redakteur:Hanke-El Ghomri, Gudrun
 Krug, Jutta
Produktion:Bildersturm Filmproduktion
Produktion:WDR
Produktion:SWR


Inhalt


Seit Herbst 2007 begleiteten Birgit Schulz und ihr Co-Autor Gerhard Schick mit der Kamera die Diskussion um den Moschee-Bau in Köln. Schauplatz der Handlung ist der ehemalige Arbeiter-Vorort Ehrenfeld. Hier wird eine der größten und modernsten Moscheen in Europa errichtet - von Paul Böhm, dem Architekten aus der renommierten Kölner Architekten-Dynastie, die für ihre christlichen Kirchenbauten berühmt ist. Doch schon der Entwurf spaltete die Stadt in erbitterte Gegner und Befürworter. Es geht um mehr als ein Bauwerk. Es geht um sich ständig verschiebende Allianzen, um schmerzhaft gelebte Demokratie und um die Integration von Muslimen.
Am Anfang und am Ende von "Allah in Ehrenfeld" stehen zwei öffentliche Sitzungen. Die eine ist eine Art Bürgersprechstunde, in der die Bewohner von Ehrenfeld im Jahr 2007 Fragen und Meinungen zur geplanten Moschee äußern. Die Polizei überwacht den überfüllten Saal, immer wieder führt sie Pöbler hinaus. Bis zum Schluss alle ordnungsgemäß eingereichten Wortbeiträge abgearbeitet sind, hat man über sechs Stunden diskutiert.
Die Sitzung am Ende ist eine Pressekonferenz der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib). Sie hat den Bau der so hart umkämpften Moschee in Auftrag gegeben, kündigt aber 2011 abrupt dem Architekten. 2000 Fehler seien ihm angeblich nachgewiesen worden. Als die versammelten Journalisten nachhaken, ob der ursprüngliche Entwurf der Ditib eventuell zu modern geworden sei, blockt die Pressesprecherin ab.
Der Film gibt keine abschließende Antwort darauf, ob die Ditib Druck wegen des eher untraditionellen Bauwerks von der Religionsbehörde der Türkei bekommen hat oder ob wirklich bauliche Mängel zur Kündigung des Architekten geführt haben. Er gibt auch keine abschließende Antwort darauf, ob die Moschee sich tatsächlich harmonisch ins Stadtbild fügt. Stattdessen kommen viele Kölner Akteure zu Wort: der SPD-Bezirksbürgermeister Josef Wirges, der seinen Bezirk als altes sozialdemokratisches Arbeiterviertel mit multikulturellem Mehrwert lobt. Oder der damalige CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma, der wortreich für die Zentralmoschee streitet. Einmal schreit ihn ein älterer Mann in rabiatem Kölsch an: "Wer hat in Deutschland was zu sagen? Wir oder die Türken und Juden?" Doch auch von ganz anderer Seite regt sich Kritik an der Moschee. Der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano sieht in ihr das "Wahrzeichen einer schleichenden Islamisierung", sogar eine "Kriegserklärung". Immerhin, Giordano lässt sich vor der Kamera auf Diskussionen mit der türkischen Gemeinde von Ehrenfeld ein. Im Gespräch mit offensichtlich moderaten Muslimen sagt er: "Ihr müsst euch auch mal Gedanken machen, welches Problem ihr für die Mehrheitsgesellschaft seid."
Selten hat man im deutschen Fernsehen eine Reportage gesehen, die derart detailliert einen gesellschaftlichen Verhandlungsprozess nachzeichnet - samt all seinem erbaulichen Mit- und schlauchenden Gegeneinander, samt unvorhersehbarer Allianzen und brüchiger Frontverläufe, samt bedenklicher verbaler Verkürzungen und ausufernder Diskussionen.
Allah in Ehrenfeld - Der Bau der Kölner Moschee