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Titel:

Der Unfall

Serientitel:Wiedergesehen - Neugesehen
Land Jahr:Bundesrepublik Deutschland 1968
Länge:72 min 36 sek


Regie:Beauvais, Peter
Drehbuch:Waldmann, Dieter
Kamera:Vacano, Jost
Ausstattung:Schünke, Wolfgang
  
Darsteller:Brensing, Peer
 Debiel, Rudolf
 Enskat, Claus
 Faure, Elsa
 Flimm, Jürgen
 Galiana, Manuel
 Goméz, José Luis
 Jaenicke, Käte
 Krekel, Hildegard
 Moron, Avelino
 Müller-Westernhagen, Marius
 Priego-Garrido, José
 Schilling, Nikolaus
 Schwab, Martin
 Schönfeldt, Horst
 Steinhaus, Barbie
 Vences, Sergo
Produktion:WDR, Köln


Inhalt


Der Film thematisiert als einer der ersten Fernsehspielfilme Alltag und Arbeitsbedingungen von Migranten (damals als „Gastarbeiter“ bezeichnet) in den sechziger Jahren in einer deutschen Großstadt.

Der Spanier Paco kommt am Kölner Hauptbahnhof an. Wider Erwarten wird er nicht von seinem Bruder, der seit Jahren in Köln arbeitet, abgeholt. Der liegt schwer verletzt im Krankenhaus und es ist nicht klar, ob ein Unfall oder ein Streit unter Arbeitskollegen die Ursache für den Sturz in eine Baugrube war.
Paco lernt in den folgenden Tagen die Kollegen und den Arbeitsplatz seines Bruders in einer Gummi-Fabrik kennen. In zahlreichen Szenen stoßen der junge Spanier und ein befreundeter Arbeitskollege auf Vorurteile und Mißtrauen: Im Treppenhaus tuscheln Nachbarinnen darüber, dass die Straßen „voll von denen sind“, Arbeitskollegen im Betrieb hetzen gegen die Fremden, die den Deutschen den Arbeitsplatz wegnähmen. (Unter anderem treten Jürgen Flimm, später Theaterregisseur und Intendant sowie Marius Müller-Westernhagen, später Sänger als Arbeitskollegen auf). Dem steht ein großes Betriebsfest gegenüber, das „der kulturellen Eingliederung ausländischer Arbeitnehmer“ dienen und mit Tombola und Spaghetti-Wettessen für eine ausgelassene Stimmung sorgen will.
Das Ende bleibt bewusst offen – weder erfährt man, wie es zu dem tragischen Unfall kam noch wie es mit Paco in Köln weiter gehen wird.

Das Problem mit der Fremdsprache

Interessant ist der Einsatz von Sprache in dem Fernsehspiel aus dem Jahr 1968: von den 74 Darstellern der Arbeiter aus Italien, Spanien und Griechenland waren 49 Laien. Sie sprechen ihre jeweilige Muttersprache miteinander. Die Sprachen prallen aufeinander, das gegenseitige Nicht-Verstehen findet so seinen deutlichen Ausdruck. Auch in einer der ersten Szenen, als Paco sich mit einem Zettel in der Hand zur Wohnung seines Bruders durchfragt, spielt die Sprache eine wichtige Rolle. In der Straßenbahn hält der Spanier dem Schaffner etwas hilflos einen Geldschein hin. Der meint ruppig, er sei doch keine Wechselstube, worauf eine blonde Frau mit deutlich kölschem Akzent sich vordrängt: „Ach komm, einmal Christophstraße und einmal, wo der hin will.“ Als Paco sich auf Spanisch bedankt, meint sie: „Is schon jut, ich versteh et ja doch nit.“
Ähnliche Szenen gibt es im Ausländerwohnheim, wenn Paco von einem italienischen Mitbewohner minutenlang dessen Familiengeschichte auf italienisch erzählt bekommt, ohne dass sie übersetzt würde – und das im abendlichen Fernsehprogramm 1967.
Die Bildgestaltung passt sich der Umgebung an: während des Werksfestes ist die Kamera mitten unter den Tanzenden, schwenkt mit und vermittelt so den kurzen Moment von Ausgelassenheit von Paco und seinen Landsleuten. Im Wohnheim wird die Enge des Zimmers deutlich: die Kamera bewegt sich auf engstem Raum zwischen drei Etagenbetten, einem kleinen Tisch und den Spinden, so wie sich auch die Bewohner in dem vollen Zimmer zurechtfinden müssen.

Authentische Drehorte

Die Drehorte – in der Arbeitshalle der Fabrik oder in der Werkskantine, in der Kneipe oder in der Bahnhofsvorhalle, auf der Straße oder im Wohnheim – wirken authentisch. Dazu passen die Präsenz der Laiendarsteller und das Sprachgewirr. Die teilweise wie beiläufig gedrehten Szenen an diesen städtischen Schauplätzen lassen den Film „Der Unfall“ in vielen Szenen fast dokumentarisch erscheinen. Köln selbst tritt kaum in charakteristischer Weise in Erscheinung, es ist mehr „die“ Großstadt, die hier porträtiert wird. Allerdings fallen einige Szenen in Kneipe, Wohnheim oder Straßenbahn auf, in denen der zwischenmenschliche Umgang durch eine gewisse „kölsche“ Mentalität dominiert wird – als Mischung aus ruppig, freundlich und laissez-faire. „Der Unfall“ zählt zu den bemerkenswerten Beispielen der damals entstandenen Fernsehspiele und ist auch durch seine filmischen Erzählmittel ein spannendes Zeitdokument.
Der Unfall



  • Fotos:

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Der Unfall

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