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Die ersten Wochenschauen aus Köln

 
 

Die ersten Nachkriegsbilder aus der eigenen Stadt sah das Kölner Kinopublikum in den Wochenschauen, die im Vorprogramm der wenigen verbliebenen Kinos liefen.

Als erste Wochenschau war am 18. Mai 1945 die amerikanisch-britische Coproduktion „Welt im Film“ in Deutschland auf der Kinoleinwand zu sehen. Sie wurde zunächst in London und ab September 1945 in den Studios der Bavaria Film in München produziert. 

Die Alliierten setzten die Wochenschauen als ein Mittel zur Re-education der Deutschen ein, das heißt, ihrer „Umerziehung“ von Anhängern der Nazis zu Demokraten im angelsächsischen Verständnis. Mit Bildern aus Konzentrationslagern, so aus Bergen-Belsen (Welt im Film, Nr. 6, 1945) und Berichten von Überlebenden des Holocaust sollte das deutsche Kinopublikum dazu bewegt werden, sich seiner Nazi-Vergangenheit zu stellen. In diesem Kontext ist auch der erste Wochenschau-Beitrag aus Köln „Kamera Rundschau Köln“ in „Welt im Film“ vom 22. Juni 1945 zu sehen.
Der Wochenschau-Beitrag zeigt Bilder der zerstörten Stadt und Trümmer rund um den Kölner Dom, Aufnahmen, die auch die Frage der Schuld des faschistischen Regimes für die Zerstörung aufwerfen. Schilder an einigen Kölner Gebäuden warnen vor Plünderungen von Kunstschätzen. Der Beitrag endet mit einem Schwenk auf die zerstörte Hindenburg-Brücke, deren Trümmer im Rhein liegen. Der Kommentar dazu: "Das ist die deutsche Stadt Köln am Rhein!"

Gedenken an die Häftlinge im Klingelpütz

 

Die 11. Ausgabe von „Welt im Film“ dokumentiert eine „Totenfeier für die letzten Gestapo-Oper in Köln“. Anlass ist der Tod von sieben Häftlingen in den letzten Kriegstagen im Gefängnis Klüngelpütz. Die Nazi-Wärter hatten nach dem letzten Bombenangriff der Alliierten am 2. März 1945 die Stadt fluchtartig verlassen und 80 zum Teil todkranke Gefangene zurückgelassen. Als die US-Truppen eintrafen, waren sieben bereits tot, drei weitere starben in den Tagen darauf. Die Wochenschau berichtet, wie am 3. Juni 1945 im Kölner Klüngelpütz vor rund 1.500 Kölnern ein Gedenkstein eingeweiht wird mit der Aufschrift: „Hier ruhen sieben Oper der Gestapo – dieser Gedenkstein dient der Erinnerung an Deutschlands schmachvollste Zeit 1933-1945.“ Das Denkmal befindet sich noch heute in der Grünanlage am Hansaring.

Unter der Rubrik „Städte im Aufbau“ zeigte die Wochenschau in den folgenden Jahren häufig Aufnahmen aus Köln: Aufräumarbeiten am Dom, die Eröffnung der ersten Behelfsbrücke über den Rhein, die Einweihung der Südbrücke, Taucher, deren Arbeiten an der eingestürzten Hohenzollernbrücke vom Hochwasser unterbrochen wurden und Bilder von der ersten Fronleichnamsprozession rund um den Dom.

Ford produziert, der Fußball rollt, der Rosenmontagszug zieht durch die Stadt

 

1948 finden sich in der Wochenschau Berichte über das Jubiläum „700 Jahre Dom zu Köln“ (zu dem auch der erste Dokumentarfilm aus Köln in der Nachkriegszeit entstand), die Inbetriebnahme der Hohenzollernbrücke sowie die Eröffnung der Deutzer Brücke, bei der die ersten Fußgänger unter dem Transparent „De schäl Sick hätt ihr Bröck“ die neue Rheinbrücke feiern.

Als der zehntausendste Lastwagen vom Fließband rollt, berichtet die „Welt im Film“ vom Besuch Henry Fords jr. in Köln. Und als im Müngersdorfer Stadion das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft stattfindet, dokumentieren die Bilder der Wochenschau „Welt im Film“, wie Nürnberg Kaiserslautern mit 1:2 unterliegt. Als 1949 der erste Rosenmontagszug nach dem Krieg durch Köln zieht, unter dem Motto „Mer sin widder do un dun, wat mer künne“, stehen die Kameramänner der Wochenschau selbstverständlich wieder in der ersten Reihe.