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Fluxus und Neue Musik

 
 

Düsseldorf und Köln waren in den frühen sechziger Jahren durch die Kunstakademie in Düsseldorf und engagierte Galerien in beiden Städten zu lebendigen Orten neuer Kunstströmungen geworden. Legendär wurden 1960 /1961  die Vernissagen und Konzerte im Atelier der Künstlerin Mary Bauermeister mitten in der Kölner Altstadt (Lintgasse). Nach ihrem Studium in Ulm und Saarbrücken kam sie 1957 nach Köln. Sie veranstaltete zahlreiche Konzerte mit John Cage, Nam June Paik, Morton Feldmann u.a. 

 

Es fanden Ausstellungen, Lesungen und Vorträge mit Hans G Helms und Adorno statt und das rund 80-100 Leute fassende Atelier im Dachgeschoss war bei diesen Anlässen meist voll besetzt. Mit der Übersiedlung Mary Bauermeisters nach New York Anfang 1962 hörten die kulturellen Begegnungen im Atelier in der Altstadt auf.

Die internationale Fluxusbewegung wurde bei ersten Konzerten und Veranstaltungen in Wiesbaden (1962) und Düsseldorf (1963) unter Beteiligung der Künstler Wolf Vostell und Joseph Beuys bekannt. Der koreanische Künstler Nam June Paik, der in München und Freiburg Komposition studiert hatte, war seit 1958 regelmäßig in Köln und arbeitete mit Karl-Heinz Stockhausen im Studio für elektronische Musik zusammen. Er war bereits im Juni 1960 bei Mary Bauermeister zu Gast mit einer „Hommage à John Cage“.

 

Mit dem gebürtigen Argentinier Maurizio Kagel kam ein weiterer wichtiger Vertreter der zeitgenössischen Musik nach Köln. Zusammen mit dem Fluxus- und Happeningkünstler Wolf Vostell gründete er das Labor e.V., zur Erforschung optischer und akustischer Ereignisse. 1969 folgte er Stockhausen als Leiter der Kölner Kurse für Neue Musik und wurde Direktor des Instituts für Neue Musik an der Rheinischen Musikschule.

Anlässlich des 2. Kölner Kunstmarktes 1968 berichtete der WDR über die aktuelle Galerien- und Kunstszene, u.a. auch über Konkurrenzveranstaltungen „Am Rande des Kölner Kunstmarktes“. Mit dabei: Wolf Vostell, der das Labor vorstellt und die Kunstaktion „Fünf-Tage-Rennen“, an der auch Maurizio Kagel mit einer akustischen Installation beteiligt war sowie ein von Nam June Paik bearbeitetes Klavier.
Der Galerist Helmut Rywelski betont in der Dokumentation die Bedeutung der Happening-Kunst, die in seiner „Art Intermedia Galerie“ Raum fand. Ein Jahr später wird Wolf Vostell in der Domstraße vor der Galerie  ein Auto in Beton gießen. Das Objekt steht heute am Hohenzollernring, gegenüber vom Filmpalast, Titel „Ruhender Verkehr“.

Provokative Ausstellung

 

Vom 6.November 1970 bis zum 6.Januar 1971 fand im Kölnischen Kunstverein die Ausstellung „happening & fluxus“ statt. Die von Harald Szeemann kuratierte Ausstellung stieß damals auf doppelte Kritik: Die einen sahen nur „Obszönitäten und Perversitäten“ (so der „Kölner Tierschutzverein 1868“); die anderen hielten das Vorhaben für historisch bereits verspätet. Aus der Bevölkerung kam die Drohung, die Ausstellung „happening & fluxus“ im Kölnischen Kunstverein „werde brennen“. Schließlich folgten Zensuren der Environments der Künstler Hermann Nitsch und Otto Mühl und 270 Austritte der Mitglieder des Kunstvereins.
Die Vorkommnisse brachten Köln den Titel „deutsche Hauptstadt der (Kunst-) Zensur“ und gingen in die Kunstgeschichte ein.