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Pulheim Jam Session

Credits

Regie: Johanna Billing
Musik: Edda Magnason

Kamera:
Jan Höhe
Julia Franken
Kris Willner

Darsteller:
Bürgerinnen und Bürger von Pulheim

Produktion:
Kunsthochschule für Medien
, Köln
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Inhalt

Vor den Toren Kölns. Es ist Sommer, ein leichter Wind wehtüber die Rüben- und Weizenfelder. In einer Scheune in Stommeln improvisierteine junge Künstlerin auf einem Bechstein-Flügel – inspiriert von Keith JarretsThe Köln-Conzert. Im Gegenschnitt ein landwirtschaftlicher Weg zwischen Kölnund Pulheim, auf dem sich ohne ersichtlichen Grund eine Autoschlange mit gutsechzig PKW´s staut. Die Insassen vertreiben sich die  Wartezeit;sie hören Musik, lesen, essen, spielen mit den Kindern oder gewähren ihrenHunden freien Auslauf. Erste Kontakte untereinander werden gesucht, einKommunikationsprozess entsteht. Dann löst sich der Stau auf; die Autos fahren weiter. In derScheune wird das Instrument auf einen Möbeltransporter verladen. Zurück bleibenleere Räume. So, wie sich eine schillernde Seifenblase auflöst, gehören diestimmungsvollen atmosphärischen Bilder und Töne der Vergangenheit an und setzensich nur noch in der Erinnerung zusammen.
Der Film der schwedischen Künstlerin Johanna Billing,geboren 1973 in Jönköping/Schweden, ist das Ergebnis des Kunstprojektes derStadt Pulheim Stadtbild. Intervention aus dem Jahre 2011 undentstand in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule für Medien Köln. Nach einemöffentlichen Aufruf beteiligten sich 60 AutobesitzerInnen an der Aktion, einenSamstagnachmittag im Juni 2011 mit der Filmcrew auf den windigen Feldern vorden Toren Kölns zu verbringen. Johanna Billing setzt die historischeSolo-Piano-Improvisation von Keith Jarrett vom Januar 1975 in Beziehung zu demfiktiven Autostau in Pulheim und dem Warten als Ereignis. Die öffentlichePerformance nennt sie Pulheim Jam Session,wobei Jam sich sowohl auf den Momentdes Improvisierens im Verkehrsstau bezieht als auch im eigentlichen Sinn aufeine intime Probesituation der schwedischen Songwriterin und Pianistin in derStommelner Scheune. Pulheim Jam Sessionist ausführlich dokumentiert in der gleichnamigen Print-Publikation herausgegeben von derStadt Pulheim und der Kunsthochschule für Medien Köln, 2013, 40 S. Sie enthält u.a.Porträts der am Projekt beteiligten Künstlerinnen. Zusatzinformationen
Pulheim Jam Session
verweist auf andere „Staus“ in der Filmgeschichte. In Jean-Luc Godardssozialkritischem Film Weekend (F/I1967) führt eine sich nach einem schweren Unfall gebildete Autokolonne auf derLandstraße zu Streitigkeiten und Handgreiflichkeiten, die zu brutalenAggressionen eskalieren. Die mehrere Minuten lange Kamerafahrt an den Autos entlangwird begleitet von einem vielstimmigen, schrillen Hupkonzert. Auch in diesemFilm gibt es ein Konzert in einer Scheune: auf einem Bechstein-Flügel wirdMozart gespielt.Ebenso visuell wirkungsvoll arrangiert ist der nervende Stauin Fellini’s Roma (I /F1971) beieinbrechender Dunkelheit und Regen vor dem Kolosseum. Ungeduld, Lärm undAutoabgase lösen bei den Römern wüste Beschimpfungen und derbe Beleidigungenaus. Die gesamte Sequenz wurde im Studio inszeniert. Vergleichbar dem Film von Godard ist Stau (L’ingorgo) aus dem Jahre 1979; ein Film, der dem Zeitgeistder 1970er-Jahre entspricht. Für die italienischen Regisseur Luigi Comencini ist ein Stauvor den Toren Roms bei gleißender Sonne der Anlass für einegesellschaftskritische Studie und für eine Satire auf die technisierte Konsumgesellschaft.In diesen Ensemblefilm treffen Menschen aus allen Gesellschaftsschichtenaufeinander, die ausgelöst durch Chaos und Aggressivität ihren wahren Charakterzeigen. Der Stau, der sich am Ende des Films auch nicht auflöst, ist eineeuropäische Gemeinschaftsproduktion (I, F, E, BRD) mit Spitzenstars aus denbeteiligten Ländern.  Der Stau, der inall diesen Filmen Aggressionen und wütende Attacken auslöst, ist in JacquesTatis Trafic (F 1971) Anlass füramüsante Situationskomik mit seinem Protagonisten Monsieur Hulot. Er gehörteinem Team an, das für eine französische Autofirma von Paris aus einenCampingwagen zur Autoshow nach Amsterdam geleiten soll. Unterwegs kommt eswegen hohen Verkehrsaufkommens und diversen Pannen und Unfällen immer wieder zuStaus. Anstatt im dichten Messebetrieb landen Hulot und Begleitung in einerländlichen Idylle. Als sie in Amsterdam eintreffen ist die Show schon beendet. Auch einer der größten Publikumserfolge dieser Jahre – La La Land von Damian Chazelle, USA 2016– beginnt mit einem Stau. Auf der Autobahn in Los Angeles geht nichts mehr.Dann steigen die Leute aus ihren Autos, wirbeln fröhlich und befreit über diein der Sonne glänzenden Autos. Als sie dann alle wieder einsteigen kommt auchdie Kamera zum Stillstand. Und dann geht das lärmende Gehupe weiter. Alle diese Filme haben gemeinsam, das sie inszeniert sind: von der lakonischenKameraführung bei Godard bis hin zum detail-präzisen Arrangement bei Tati. DenFilm Pulheim Jam Session zeichnetaus, das er improvisiert ist.
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