XSCREEN – der Anfang
Ein Filmfestival an der belgischen Küste hatte für Köln im Jahr 1968 außergewöhnliche Folgen. Vom 25. Dezember 1967 bis zum 2. Januar 1968 fand in Knokke das 4. Experimentalfilmfestival „exprmntl“ statt. Dieses Festival mit seinen internationalen Begegnungen und dem Austausch unabhängiger Filmemacher und Filmkooperativen aus aller Welt, insbesondere aus Nordamerika, gab die Initialzündung für eine besondere Initiative in Köln: Eine Gruppe filmbegeisterter Besucher gründete nach ihrer Rückkehr aus Knokke „XSCREEN – Kölner Studio für den unabhängigen Film“.
Die Filmemacherin Birgit Hein erinnert sich:
„Nach Knokke bekamen wir eine Einladung von Rolf Wiest, der Journalist beim Kölner Stadtanzeiger war und den wir bis dahin noch nicht kannten. Er lud uns zu einem Treffen mit allen Beteiligten aus dem Kölner Raum, die in Knokke anwesend waren, ein. Unter anderem waren das Lutz Mommartz aus Düsseldorf, aus Köln Dietrich Schubert Rosenthal, später politischer Filmemacher, Wilfried Reichart, ebenfalls Redakteur beim Stadtanzeiger und Hans-Peter Kochenrath. Auf diesem Treffen wurde beschlossen, einen Verein zu gründen, um unabhängige Filme vorzuführen, weil so etwas nicht existierte. Schließlich wollten alle Beteiligten unbedingt, durch Knokke inspiriert – die amerikanischen und europäischen Underground-Filme zeigen, die damals noch nicht so hießen, sondern als Experimentalfilme bezeichnet wurden.“
(Birgit Hein in: „The Art of Programming“, Heike Klippel, München 2008)
Und Wilfried Reichart schreibt 2004:
„So saßen wir also unter dem Einfluss der Bilder aus Knokke in Georga Wiests Boutique Masculin-Feminin am Karl Berbuer-Platz und waren wild entschlossen, das neue Kino in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir gründeten einen Verein, fanden einen Namen – XSCREEN –, den wir um den Untertitel „Kölner Studio für den unabhängigen Film“ ergänzten.“ („Those were the days, my friend“ in „Köln im Film – Filmgeschichte(n) einer Stadt“, Hg. Christa Aretz, Irene Schoor, Köln 2004)
Die erste Nacht
Am 24. März 1968 fand im Kino Lupe auf der Zülpicher Straße (heute Off-Broadway) die erste XSCREEN Veranstaltung statt, mit Filmen aus Österreich, präsentiert von der Medienkünstlerin VALIE EXPORT und Peter Weibel aus Wien.
Wilfried Reichart beschreibt den Abend: „Am 24. März 1968, es war ein Sonntag, sollte um 23.15 Uhr in der Lupe die erste XSCREEN-Veranstaltung beginnen mit Experimentalfilmen von Kurt Kren, Hans Scheugl, Ernst Schmidt, Peter Weibel, präsentiert von Peter Weibel und VALIE EXPORT, Eintritt 3 Mark (+ 1 Mark Clubeintritt). Sollte .... Denn natürlich ging alles drunter und drüber, die Projektoren funktionierten nicht, die Filmrollen lagen auf Ende, die eingelegten Filme rissen, es war ein chaotisches Happening, und die Lupe war voll. Als dann die Bilder mit Verspätung über die Leinwand flimmerten, reagierte das Publikum belustigt und ironisch, wütend und böse, auf jeden Fall nicht gleichgültig. Das war ein guter Anfang“.
"Der Andrang des Publikums war so groß, dass wir eine zweite Veranstaltung ansetzen mussten. Es gab ein riesiges Chaos, denn wir waren überhaupt noch nie in dem Vorführraum eines Kinos gewesen, und keiner von uns war mit der Bedienung vertraut. Bei den Liveaktionen ging das Licht an der falschen Stelle an oder aus oder der Vorhang zu oder auf. Es gab lange Pausen, in denen sich das Publikum selbst unterhielt. Und als dann der „20.September“ von Kurt Kren lief, flüchtete ein großer Teil des Publikums. Heute gelten XSCREEN-Veranstaltungen als legendär“, erinnert sich Birgit Hein anlässlich der Ausstellung X-SCREEN in Wien 2004.
In den kommenden Jahren brachte XSCREEN mit zahlreichen Veranstaltungen den Undergroundfilm auf Kölner Leinwände und sorgte für zum Teil heftige öffentliche Diskussionen über die Freiheit der Kunst.


