Köln im Film
Aktivitäten
Kölner Filmgeschichte
Presse

Vor Ort

Drehort und Schauplatz


Am Hauptbahnhof, ifs-Workshop 2010

Paul Pieck

Während der Drehort eines Films die tatsächliche geografische Lage oder Adresse der Dreharbeiten angibt, kann der Schauplatz der Handlung ein ganz anderer sein. Häufig ist in einen Spielfilm der Schauplatz aus mehreren Drehorten zusammengesetzt: beispielsweise „Die Wohnung des Protagonisten“ – zuerst sieht man die Fassade eines Hauses, in der nächsten Einstellung das Treppenhaus – das jedoch gar nicht in diesem Haus aufgenommen wurde – und schließlich eine Küche, die sich wieder woanders befindet – doch die Geschichte spielt in Köln und einer der Protagonisten wohnt in Braunsfeld. Für den einen Schauplatz wurde an drei Drehorten aufgenommen.

Welche Rolle spielt der Drehort Köln für Studierende?

Für Studienanfänger und -Anfängerinnen an der KHM und ifs gehören kurze Regieübungen zum Pflichtprogramm – Übungen „vor Ort“ also, erste dokumentarische und fiktionale Filmübungen. Diese ersten Dreharbeiten mit den Kommilitonen finden schon aus rein pragmatischen, d.h. logistischen und finanziellen Gründen in Köln statt. Die Studierenden können z.B. vor der Aufgabe stehen: dreht in Ehrenfeld – innen oder außen, inszeniert oder dokumentarisch, aber: vor Ort. Und das Organisieren der Drehgenehmigung bei der Stadt Köln gehört dabei gleich mit dazu.

Oder der Drehort ist das Oberlandesgericht am Reichensperger Platz: ein weitläufiges Gebäude mit eindrucksvoller Architektur – aber für welche Geschichten und Protagonisten? Der Drehort kann auch mal ein eher zufälliger Treffer auf dem Stadtplan sein, erinnert sich Peter Henning, ehemaliger Professor für Drehbuch und Dramaturgie an der ifs. Dann heißt es: hier wird gedreht. Es folgen zwei Tage für die Entwicklung und das Schreiben der Geschichte und drei Tage Drehzeit.

Die ersten Regieübungen an der KHM variieren je nach Dozent deutlich: einige, u.a. der Regisseur Robert Van Ackeren lassen ausschließlich im Studio drehen, andere wiederum, z.B. Regisseur Wolfgang Becker, „schicken“ die Studierenden grundsätzlich nach draußen. (siehe „Freitagnacht“).

Der genaue Blick


Summerschool-Workshop der ifs 2010

Paul Pieck

Immer aber kommen die Erstsemester auch mit eigenen Ideen, bei denen es häufig mehr um die Geschichte als um einen konkreten Ort geht, so die Beobachtung von Dietrich Leder, Professor für Dokumentarfilm/fiktionale Formen/Unterhaltung Film an der KHM. Und oft ist der dazugehörige Drehort der originale Schauplatz, z.B. in ihrem Herkunftsort.

Die Herausforderung – für Lehrende wie für Lernende – so Dietrich Leder, besteht darin, genaue Ortsdefinitionen herzustellen. Also auch die Fragen beantworten zu können: warum ist die Geschichte genau hier angesiedelt? Was unterscheidet diese Straße von der um die Ecke?

Neben dem sogenannten „A-Plot“ (der die Handlung betrifft) gehören ebenso „B-und C-Plot“ zur Entwicklung eines Filmstoffes. Das heißt: die Beschreibung der zugrunde liegenden Konflikte sowie die ausführliche Ausarbeitung der Haupt- und Nebenrollen und ihrer Kurzbiografien. Die Orte so genau wie möglich zu definieren, dazu müsse man die Studenten manchmal regelrecht zwingen, erklärt Dietrich Leder. Und das bedeutet, einen Drehort nicht nur auszuwählen, sondern ihn so präzise beschreiben zu können, dass man weiß, wieso eine Szene hier spielt und welche Atmosphäre vorherrscht. 

Annäherung durch Fragen

Für Peter Henning gehören genaue Beobachtung und das Bemühen um Authentizität ganz wesentlich zum Schreiben dazu. Geeignete Hilfsmittel dafür sind z.B. die Fragen: wo wohnt der Protagonist, wie ist die Wohnung eingerichtet und dabei spielen durchaus auch sinnliche und emotionale Bezüge zu Orten, Ausstattung etc. eine Rolle. Sehr viel läuft über die optischen Codierungen bestimmter Orte und die sind in Deutschland durchaus ähnlich: die Stichworte Vorort, sozialer Wohnungsbau oder Fünfziger Jahre-Bau rufen bei Menschen, die hier aufgewachsen sind, sehr ähnliche Vorstellungen hervor.
Spannend wird es dann, so die Erfahrung der Dozenten, wenn z.B. Kölner und Nicht-Kölner gemeinsam an einem Projekt arbeiten, denn gerade dem „fremden“ Blick gelingt es leichter, Neues und Ungesehenes wahrzunehmen.