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Fasziniert von Automaten: Ludwig Stollwerck


Ludwig Stollwerck

Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv

Der Beginn der Filmgeschichte in Köln ist untrennbar verbunden mit einer Schokoladenfabrik in der Kölner Südstadt: Die 1871 gegründete Firma Gebr. Stollwerck aus Köln zählte im Deutschland des späten 19. Jahrhunderts zu den führenden Schokoladenherstellern. Ludwig Stollwerck (1857-1922), der zweit jüngste von fünf Brüdern, war von Anfang an für die Außenwerbung der Firma und die Präsentation auf Gewerbeausstellungen zuständig.  Er war neuen Erfindungen und Vermarktungsstrategien gegenüber sehr aufgeschlossen – und fasziniert von Automaten.

1887 führte er „selbsttätige“ Verkaufsautomaten für den Straßenverkauf von Schokolade ein: Beim Einwurf der Münzen erklangen wechselnde Melodien, im Angebot waren Schokolade, Bonbons, Pfefferminz – aber auch Zigarren, Streichhölzer und Kölnisch Wasser. Die großen gusseisernen Automaten fielen ins Auge. Sie standen auf Bahnsteigen und in Cafés, in Vergnügunsglokalen, öffentlichen Parkanlagen und an beliebten Ausflugszielen – bis 1893 installierten die Gebr. Stollwerck in Deutschland ca. 15.000 solcher Verkaufsautomaten. Ein gewinnbringendes und werbewirksames Geschäft.


Der Princess-Panorama-Automat

Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv

1895 gründete Ludwig Stollwerck die DAG, die Deutsche Automaten-Gesellschaft Stollwerck & Co. Seine Begeisterung für technische Entwicklungen ließ ihn bereits 1892 einen Vertrag mit dem Franzosen Georges Demeny unterzeichnen, der an der Entwicklung eines sogenannten „Schnellsehers“ arbeitete. Der „Phonoscope“ basierte auf dem Prinzip des Guckkastens mit rotierenden Scheiben.
Parallel und durchaus in Konkurrenz tüftelten damals Techniker, Fotografen und Ingenieure in Frankreich, Deutschland, England und in den Vereinigten Staaten an der Fortentwicklung der laufenden Bilder. Ludwig Stollwerck interessierte sich für den „Kinetoscope“ von Thomas A. Edison, investierte in die Entwicklung eines „Elektroskop“ des Briten Birt Acres und erwarb einen „Elektrischen Schnellseher“ von der Berliner Firma Siemens & Halske.
Nach der Gründung der Deutsche Automaten Gesellschaft eröffnete Ludwig Stollwerck im August 1895 in Köln ein erstes Automaten-Magazin, den Vorläufer der heutigen Spielsalons. Die unterschiedlichen Automaten boten gegen Münzeinwurf Schokolade, Bonbons, gebrannte Mandeln – und bewegte Bilder.


Eingang zum „Automaten-Restaurant“ von Leonhard Tietz, Hohe Straße um 1910

Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_063247

Im März 1896 hatte Ludwig Stollwerck in London eine Vorführung des Cinématographe Lumière besucht. Sofort war er von dieser Technik überzeugt und erwarb kurz darauf von der Sociéte Lumière die Lizenz zur Präsentation eines ihrer Cinématographen und weiterer Apparate in Deutschland. Aus den anfangs vier Cinématographen wurden bis zum Sommer 1896 bereits acht, die in ganz Deutschland von der DAG betrieben wurden.

Die Begeisterung Ludwig Stollwercks für Automaten und Maschinen ging durchaus einher mit seinem Geschäftsinteresse: Eintritt, Kosten-Nutzen-Rechnung und zu erzielende Gewinne waren ausschlaggebend für seine Aktivitäten.
Bereits im April 1896 schrieb er an seinen Geschäftspartner in New York:

„Ich habe nie in meinem Leben eine Erfindung gesehen, mit welcher ohne Risiko und fast ohne Arbeit so viel Geld verdient wurde. Die Leut schleppen ja das Geld rein ins Haus! ... Hier geht man mit einem kleinen Apparat ... hin, dreht daran und nimmt überall auf Filmstreifen die Photographien auf. Dann macht man es umgekehrt, setzt das Licht anstatt nach vorn, nach hinten und wirft die Bilder auf die Wand. Das ist die ganze Hexerei.“
(Ludwig Stollwerck in einem Brief an John Volkmann in New York, 16.4.1896)


Ein Kasten aus Holz: der Cinématographe

Collection Institut Lumière, Lyon

Anfang 1897 trennten sich die Wege der französischen und deutschen Geschäftspartner.
Nachdem es zu zwei verheerenden Bränden bei Vorführungen gekommen war – das Filmmaterial war hochentzündlich – führten die Schadenersatzklagen zu Unstimmigkeiten zwischen der französischen und der deutschen Firma. Hinzu kamen unterschiedliche Geschäftsinteressen bei Lizenzgeber und Lizenzehmer. Die Société Lumière war mit der Auswertung durch die Konzessionäre unzufrieden, zumal das System schwer kontrollierbar war, da Lizenzen zur Vorführung auch weiter verkauft wurden.

Die Sociéte Lumière verkaufte die Maschinen und Lizenzen an die DAG und an die französische Firma Pathé. Ludwig Stollwerck tat sich mit der American Biograph zusammen und gründete 1898 mit deren Beteiligung die Deutsche Mutoskop und Biographgesellschaft.

1906 eröffnete die Gesellschaft in Köln an der Hohen Pforte 10 das erste feste Kino, das Biographische Institut. Mit der Fortentwicklung von Kameras und Projektoren, die auch die Aufnahme und Präsentation längerer Filme ermöglichten, etablierten sich zunehmend feste Abspielstätten, „Lichtspiel-Theater“ genannt. Die Hohe Straße entwickelte sich zur Kinomeile und die Lichtspielhäuser wurden immer prächtiger.