Schaukasten
Im Schaukasten finden Sie eine Auswahl an Artikeln, Buchbesprechungen und Filmkritiken zum Thema "Köln im Film".
"Romeos" auf der Berlinale 2011
Mit ihrem Spielfilmdebüt "Romeos" war Sabine Bernardi in der Sektion "Panorama" der Berlinale 2011 vertreten. „Romeos“ ist nicht nur ein Film über das Erwachsenwerden, sondern auch ein Film über Köln und seine vitale Schwulen- und Lesbenszene.
Lukas, gerade 20 Jahre alt geworden, tritt voller Tatendrang sein neues Großstadtleben an. Doch der Start ist verpatzt: als einziger Junge wird er nicht im Zivi-, sondern im Schwesternwohnheim einquartiert. Lukas, der als Mädchen geboren wurde und dank Testosteron gerade seine männliche Pubertät erlebt, ist äußerlich ganz Mann, doch innerlich noch eine Frau. Er steckt mitten in einer Geschlechtsumwandlung. Glücklicherweise hält seine Freundin Ine in dieser schwierigen Phase weiterhin zu ihm und reißt ihn mit in ihr exzessives Partyleben. Schon bald lernt Lukas den äußerst attraktiven Fabio kennen. Doch wie erklärt er seiner schwulen Liebe Fabio, dass er „noch“ eine Frau ist? Wie den Mitbewohnerinnen im Schwesternwohnheim, dass er als Frau angemeldet, jetzt aber ein Mann ist? Ist ein schwuler Mann, der einen Mann liebt, nicht doch ein ganz normaler Hetero, wenn er eigentlich eine Frau ist und damit ein Verräter an der schwul-lesbischen Sache?
Mit Feingefühl, Tempo, und auch komischen Elementen gelingt Sabine Bernardi das Kunststück, dass man Lukas Gefühle schnell als normal empfindet, sich selbst an die Wirrungen der eigenen Pubertät erinnert fühlt und mit Lukas liebt und leidet. „Romeos“ ist nicht nur ein Film über sexuelle Wirrungen und das Erwachsenwerden eines jungen Transmanns, sondern auch ein Film über Liebe, Freundschaft und die Suche nach Identität, fernab von konventionellen Rollenklischees. Der Wunsch, seinen Platz im Leben zu finden, wird hier als selbstbewusste Forderung an das Leben formuliert. Das berührt und wirkt weitaus stärker, als jede Aufforderung zur Toleranz.
Die Kölner Schwulen- und Lesbenszene, in der „Romeos“ angesiedelt ist, ist nicht nur Kulisse. Vielmehr gelingt es Sabine Bernardi diese Szene als “Lebensgefühl“ zu inszenieren. Das kölsche Motto „ Leben und leben lassen“ gilt hier nicht als bequeme Ausrede, sondern als Miteinander und echte Anteilnahme.
Nicht umsonst hat Sabine Bernardi für ihr Treatment „Romeos“ den mit 15.000 Euro dotierten KölnFilm-Drehbuchpreis 2007 erhalten. „Das war der Startschuss für die Entwicklung des Drehbuchs“, sagt sie. Die Idee zu “Romeos” (AT) hatte sie schon länger. Bereits während ihres Filmstudiums an der ifs drehte sie den Dokumentarfilm “transfamily” , der zwei Transmänner und ihre Partner portraitiert. Mit Unterstützung des Drehbuchpreises konnte sie das Treatment zu einer ersten Drehbuchfassung ausarbeiten. Als Produzentin stand ihr ihre Ex-Kommilitonin Janna Velber (beide ifs-Absolventinnen) zur Seite. Mit ihrer frisch gegründeten Produktionsfirma Boogiefilm übernahm sie die Entwicklung des Stoffes und konnte die ZDF-Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ als Co-Produzenten gewinnen. Mit schmalem Budget drehte das Team im Sommer 2010 in Köln und Umgebung. Für die Hauptrolle wählte Sabine Bernardi den Schauspieler Rick Okon, der zur Vorbereitung ein hartes Schauspieltraining absolvieren musste. Die Mühen haben sich gelohnt! Okon überzeugt in der Rolle des jungen Transmannes Lukas und verleiht der Figur starke Authentizität.
Der erste Erfolg war „Romeos“ auf der Berlinale gewiss. Zur Uraufführung drängten sich die Besucher, als gäbe es nach der Berlinale kein Kino mehr. Die Premieren-Vorstellung war ausverkauft und mehr als hundert Interessierte mussten auf weitere Vorstellungen vertröstet werden. „Wir wollen, dass jeder „Romeos“ auf der Leinwand sehen kann, „ sagt Sabine Bernardi. Daher arbeitet sie gemeinsam mit Boogiefilm und media luna new films am Kinostart für den Film. Die Ausstrahlung im ZDF ist eh gewiss.
Irene Schoor
Filme aus Köln überzeugen auf der Berlinale 2011
Europa Cinema Preis für „Über uns das All“ von KHM-Absolvent Jan Schomburg
Dialogue en perspective für „Die Ausbildung“ von KHM-Absolvent Dirk Lütter
Femina Filmpreis für das Kostümbild von Julia Brandes (Absolventin und Tutorin in der Weiterbildung Kostümbild der ifs) in dem Film „Lollipop Monster“ von Ziska Riemann, Produktion Network Movie
PanoramaPublikumsPreis für „Medianeras“ von Gustavo Taretto, deutsch-argentinische Koproduktion der Kölner Pandora Film
Preis der ökumenischen Jury (Filme im Panorama) an „Lo Roim Alaich“ von Michal Aviad für die israelisch-deutsche Koproduktion der Kölner TagTraum
Inhalt
- Starker Auftritt des jungen Kinos aus Köln auf der Berlinale 2011 - ein Rückblick
- "Salami Aleikum" von Ali Samadi Ahadi
- Bärenstarke Filme aus Köln - im Programm der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2010
- Filme von Absolventen der Kölner Filmschulen im Programm der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2009
- "Filme aus Köln im Programm der 58. Int. Filmfestspiele Berlin 2008" von Irene Schoor
- "Unsere Frau Krause" von Verena Doerfler
- "Der Erfinder: Gunther Witte" von Mareike Fuchs
- "Die Heimatflüsterer" von Mark Terkessidis
- "Brinkmanns Zorn" von Marion Kranen

