Köln im Film
Aktivitäten
Kölner Filmgeschichte
Presse

Schaukasten

Im Schaukasten finden Sie eine Auswahl an Artikeln, Buchbesprechungen und Filmkritiken zum Thema "Köln im Film".

Globalisierung aus Kölner Perspektive – Ein Rückblick auf die 64. Berlinale 2014

Auffällig viele Geschichten der jungen Filmemacher spielten diesmal im Ausland. Einige der Kölner Produktionen setzten sich auch kritisch mit den Themen der Globalisierung auseinander.


Perspektive Deutsches Kino

Im offiziellen Programm der Perspektive Deutsches Kino gingen in diesem Jahr 14 Filme an den Start, darunter neun Langfilme sowie fünf mittellange Spiel- und Dokumentarfilme.


Sebastian Zimmler in "Hüter meines Bruders"

Foto: Matteo Cocco

Eröffnet wurde das diesjährige Programm mit dem Drama Hüter meines Bruders des Regisseurs Maximilian Leo. Die Geschichte zweier ungleicher Brüder handelt von dem mysteriösen Verschwinden Pietschis und wirft Fragen der Identität und der Unterschiede für den suchenden Bruder Gregor auf. Nach und nach droht Gregor’s Welt zusammenzubrechen.
Maximilian Leo, der sein Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) 2009 abgeschlossen hat, wurde 2011 und 2012 bereits für den Berlinale Talent Campus ausgewählt. Sein Debütfilm entstand im Rahmen des Nachwuchsförderungsprojekts Sixpack und wurde von der Kölner Filmproduktion augenschein produziert.

Schauplatz des fiktionalen Kurzfilms El carro azul ist Kuba. In dem von der KHM produzierten Film erzählt die Regisseurin Valerie Heine die berührende Geschichte des Wiedersehens zweier Brüder, in der es um das Wiedergewinnen von Vertrauen und Hoffnung geht. Der Film entstand im Rahmen des Austauschprogramms der KHM und der kubanischen Filmschule EICTV und feierte auf der Berlinale seine Deutschlandpremiere.
Der Dokumentarfilm Bosteri unterm Rad des Regisseurs Levin Hübner entstand im 5. Semester im Rahmen eines Auslandsprojekts in Kirgisistan. Ort der Handlung ist ein abgelegenes Dorf, gelegen am Nordufer des zweitgrößten Gebirgssees der Welt namens Issyk-Kul. Der von der internationalen filmschule köln (ifs) produzierte Film erzählt in eindrucksvollen Bildern die Geschichten der Einwohner, einiger bemerkenswerter Menschen, die der Sommer in der kirgisischen Steppe zurückgelassen hat.

Ebenso in Kirgisistan spielt Mirjam Leuzes Dokumentarfilm Flowers of Freedom, der in Berlin seine Premiere feierte. Das brisante Thema handelt von vier Frauen, die nach einem Giftunfall in ihrem Dorf in Kirgistan dem mächtigsten Unternehmen im Land eine Entschädigung in Millionenhöhe abringen. Die Topos-Produktion feierte im Programm Perspektive Deutsches Kino ihre Premiere.

Georg Nonnenmacher’s 15-minütiger Dokumentarfilm Raumfahrer feierte eine sehr ungewöhnliche Weltpremiere vor “Fachpublikum”. Unter dem Motto „Berlinale goes Knast“ wurde der Film vor etwa 50 Häftlingen der JVA Tegel uraufgeführt. Der Film gibt einen Einblick in den Ablauf eines Gefangenentransportes und zwar aus der Sicht seiner Insassen. Im Zentrum steht ein Häftling, dessen Gedanken sich durch den Sehschlitz des Busses bündeln. Produziert wurde der Film von der HiHead Filmproduktion aus Köln.

Komplett im Studio gedreht wurde Zeit der Kannibalen, der bereits zweite Langfilm von Johannes Naber. Der vom WDR Köln, Arte und BR Co produzierte Film lebt vor allem durch seine zynischen und vom Sarkasmus geprägten Dialoge des Drehbuchautors Stefan Weigl und durch das hervorragende Schauspiel der drei Darsteller Katharina Schüttler, Sebastian Blomberg und Devid Striesow. Das wie ein Kammerspiel inszenierte Drama spielt ausschließlich an einem Ort: Die globalisierte Welt, repräsentiert durch ein durchgestyltes Zimmer eines Luxushotels in einer Industrie-Metropole. Der Blick nach draussen gibt lediglich die stilisierte Skyline einer fiktiven Stadt frei. Drei abgezockte Unternehmensberater verlieren nach und nach ihre Selbstkontrolle und stoßen sich auf dem Karriereweg nach oben gegenseitig in den Abgrund. Am Ende kann Keiner dem Anderen mehr trauen.

German Cinema – LOLA@Berlinale

In der Reihe German Cinema – LOLA@Berlinale waren dieses Jahr insgesamt 13 Filme aus NRW zu sehen. Darunter das Drama Freier Fall des Regisseurs Stephan Lacant über einenwerdenden Vater, der sich in seinen Polizeikollegen verliebt. Das Drehbuchentwickelte er gemeinsam mit Karsten Dahlem im Autorenprogramm der ifs. Stephan Lacant, der bereits 2003 für den Berlinale Talent Campus ausgewählt wurde, realisierte den Film 2012 zusammen mit Kurhaus Production und in Koproduktion mit dem SWR.


Hanno Koffler und Max Riemelt in "Freier Fall"

Foto: Sten Mende

Die Protagonistin des Dokumentarfilms Die schöne Krista, der im Oldenburger Land spielt, ist die schönste Kuh Deutschlands. Den Stoff über das Gewinn bringende Geschäft mit der Milchkuhzucht haben die beiden Filmemacher Antje Schneider und Carsten Waldbauer in der Masterclass Non-Fiction der ifs weiterentwickelt. Realisiert wurde der Dokumentarfilm von der Kölner Lichtblick Film und Lichtblick Media in Koproduktion mit ZDF, Das Kleine Fernsehspiel. Kinostart ist am 20.03.2014.

Forum

Das Langfilmdebüt Los Ángeles – Die Engel des Regisseurs Damian John Harper erlebte seine Welturaufführung im Programm Forum der Berlinale. Geschildert wird die Geschichte des 17-jährigen Mateo, der plant, aus Mexiko nach Los Angeles auszuwandern, um seine verarmte Familie mit Geld zu versorgen. Produziert wurde der Film von den ehemaligen Stipendiaten des Mediengründerzentrum NRW, der Kölner Weydemann Bros.

                                                                                 Stefanie Wüster-Bludau, 2014