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Pariser Kinema

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Ab 1914 Germania-Lichtspiele, ab 1925 Kammer-Lichtspiele

Hohe Straße 90, 50667 Köln
zuerst Hohe Straße Nr. 125, ab 3.4.1909 Hohe Straße 90Altstadt-Nord, Innenstadt

Eröffnung: 11.04.1908
Schließung: 1914
  In der letzten Ausgabe des Reichskinoadressbuch von 1942 ist es noch genannt.

Am 10. April 1908 meldete der Stadt-Anzeiger für den folgenden Samstag, den 11. April 1908 die Gründung des Pariser Kinema in der Hohe Straße 125. Fast ein Jahr später, am 3. April 1909, zog das Lichtspieltheater in das Haus Nr. 90 um.
Dazu heißt es in der Ersten Internationalen Filmzeitung: „Unter gewaltigem Andrange des Publikums eröffnete das ´Pariser Kinema´ seine Pforten im ´Löwenbräu´, Hohestrasse, am letzten Samstag. Ein gut besetztes Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Süper sorgt in angenehmer Weise für die musikalische Unterhaltung.“ (Erste Internationale Film-Zeitung, Nr. 3, 1909).
Das neue Theater warb mit dem Slogan „Vornehmstes Theater, grösstes Kinetheater Kölns, täglich von nachmittags 14 Uhr bis 23 Uhr Einlass“.
Aufgrund seiner Lage, Ausstattung und seines Programms gehörte das Pariser Kinema zu den meistbesuchten Kinematographentheatern Kölns.

Plauderei von E. Tadsen, Wanderung durch die Kinematographentheater Köln, in: Der Kinematograph Nr. 123, 1909:
„Der Pariser Kinema, Hohestrasse, einer der ca. 15 hier existierenden Kinematographen-Theater, hat seinen alten Platz verlassen und sich in dem ehemaligen grossen Bierrestaurant Löwenbräu, gleichfalls in der Hohestrasse, nach vollständigem Umbau desselben niedergelassen. Wie schnell unsere Architekten und Handwerker etwas schaffen können, ist wieder einmal bewiesen. In noch nicht 14 Tagen war der ganze Bau, Um- und Einzug vollendet. Alles war erstaunt über die in so kurzer Zeit mit wirklich künstlerischer Ausstattung geschaffene Theaterfassade. Wenn schon in letzter Zeit viel zur äussern Aufmachung der Kinematographentheater in verbessernder Weise durch Anlage schöner Portale von den einzelnen Inhabern geschaffen ist, so ist indessen hier bei dem Pariser Kinema durch die ausnehmend schöne Anlage des Portals durch den Architekten und Bauleiter H. H. Fischer ganz Apartes erstanden. Die ganze Breite des Grundstücks, ca. 8—9 m. sowie eine annähernd ebensolche Höhe ist dazu verwendet. Orchesterartig gewölbt, in der Mitte ein Kassenhäuschen mit Kupfer abgedeckt, rechts der Eingang, links der Ausgang durch je 2 Pendeltüren hergestellt; an der Decke prangt ein besonders schön mit Perlenbehang konstruierter Leuchter. Das Ganze, im geschmackvollen Farbenton mit Gold abgesetzt gehalten, macht einen eleganten Eindruck. Die innere dekorative Ausstattung ist dem Aeussern angemessen. Wenn auch gerade keine besondere Neuerung, so doch für das Auge angenehm wirkend ist die Anlage der Beleuchtungskörper im Innenraum. Dieselben sind dem Auge unsichtbar angebracht, und nur der von der Decke zurückgeworfene Reflex erhellt angenehm den gesamten Raum. Infolge dieser Körper im Innenraum. Dieselben sind dem Auge unsichtbar angebracht, und nur der von der Decke zurückgeworfene Reflex erhellt angenehm den gesamten Raum. Infolge dieser Anordnung ist es möglich, dass ein Teil der Lampen auch während der Projektion eingeschaltet bleiben kann und ein mässiges Licht, ohne auf das Bild störend zu wirken, auch während der Vorführung bestehen bleibt, was noch die angenehme Folge hat, dass der Lichtkegel aus der ProjektionsIaterne unsichtbar ist. Wenn nun auch auf die äussere und innere dekorative Ausstattung viel architektonische Kunst und Geschmack verwendet ist, so ist dieses nicht im gleichen Masse auf die Hauptsache, worauf sich das Ganze aufbaut, auf das kinematographische Bild, verwendet. Der Theatersaal ist über 40 m lang, der Teil, auf dem sich die Projektionsfläche befindet, doch annähernd 7 m hoch, warum nun ein so kleines Bild? (Etwa 10 qm.) Warum das Bild so unter die Decke geworfen? Aus Rücksichtnahme auf das Orchester, das sich direkt unter dem Bilde befindet, oder aus Sparsamkeitsrücksichten für die Kosten eines Podiums? Diese beiden Punkte dürfen nicht massgebend sein, um die Anlage der Bildbühne zu beschränken. Denn der Hauptzweck eines Kinematographentheaters ist, soll vielmehr immer der sein, eine in allen Punkten vollendete Vorführung dem Publikum zu Gesicht zu bringen, wobei sich das Publikum angenehm der Täuschung hingeben kann. Die Besucher der vordersten Sitzreihen erlahmen im Genick beim fortgesetzten Kopf hochhalten und die hinteren sehen die Bilder in marionettenhafter Kleinheit. Das Theater würde ganz bedeutend gewinnen, so die Darstellung der Bilder mit der äussern gigantischen Aufmachung harmonierte. Und dann noch mehr Ruhe im Bilde. Das Programm war gut und fand allgemeine Befriedigung. Die musikalische Begleitung der Sujets geschieht durch Geige, Klavier und Cello, Die Wirkung ist eine durchaus gute. Vor der zwerghaften Bildbühne fehlt auch der Vorhang nicht, nur müsste derselbe auch zweckmässig bedient werden. Der Besuch des Theaters, es war am dritten Tage nach der Eröffnung nachmittags, war übermässig gut; es war übervoll. Ein Zeichen, dass der Kinematograph entgegen der Behauptung vieler Pessimisten noch nicht auf dem Aussterbeetat steht.“ (Der Kinematograph Nr. 123, 5. Mai 1909)

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs wird das Pariser Kinema in Germania-Lichtspiele umbenannt. Im Kölner Stadt-Anzeiger wirbt das Kino nun unter dem neuen Namen Germania.

Programm

Im Programm des Pariser Kinema liefen Filme wie „Die Kinder unseres Kronprinzenpaares beim Spiel im neuen Garten zu Potsdam“
(Erste Internationale Film-Zeitung Nr. 3, 1909/ die Lichtbild-Bühne Nr. 38, 14.1.1909).


Kinobetreiber

Gründer und Betreiber des Kinos war Emil Schilling; stiller Teilhaber des Pariser Kinema war die französische Produktions- und Verleihfirma Léon Gaumont. Dieser geschäftlichen Verbindung verdankte das Kino seinen Namen und auch sein Programm.
Am 6. März 1912 meldete „Der Kinematograph“ in seiner 271. Ausgabe: „Das bekannte Pariser Kinema wurde am 1. März von seinem bisherigen Besitzer Herrn Emil Schilling, Inhaber der Deutschen Filmgesellschaft, Köln, an Herrn Paul Prior, Köln, zum Preis von 200 000 Mk. verkauft.“
In der ersten Ausgabe des Reichs-Kino-Adressbuches von 1918/19 wurde Jean Kemp, Apostelnstr., als Betreiber genannt, 1928 Kemp & Schmidt, 1929-1920 Ulrich, 1932 - 1938 Dr. A.B. Cotta, Düsseldorf, 1939 - 1942 (Letzte Ausgabe Reichs-Kino-Adressbuch) Franz Leu, Meerbusch b. Bünderich.

Sitzplätze

Hohe Straße 90: 600 Plätze



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