Köln im Film
Aktivitäten
Kölner Filmgeschichte
Presse

Capitol

zurück

Hohenzollernring 79-81, 50672 Köln
Neustadt-Nord, Innenstadt

Eröffnung: 20.02.1929
Schließung: 25.09.1995
  Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Kino 1954 neu erbaut. Die Wiedereröffnung war am 28.9.1954.


!

Capitol 1956

Historisches Archiv/ Peter Fischer


Das Capitol gehörte 1929 mit 2.000 Plätzen zu den großen Stummfilm-Theatern der Stadt. Es verfügte über einen Orchestergraben und ein eigenes Filmmusik-Orchester. Am 26.3.1930 wurde mit einem „Panoptikum des Stummfilms“ Abschied vom hauseigenen Orchester genommen. Kurz darauf präsentierte man vom 2.-9. Oktober 1930 ein Festprogramm zur Eröffnung der Tonfilmspielzeit. Das Kino gehörte nun zur Ufa. 
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört.
Als das neu erbaute Capitol im September 1954 eröffnet wurde, war es das 75. Kino in der Stadt. In den 50er-Jahren bot das Kino einen exklusiven Autopflegedienst an, in der hauseigenen Tiefgarage mit Tankstelle. Direkt neben dem Kino eröffnete der Gastronom und Kinobetreiber Blatzheim die Palermo-Milchbar, ebenfalls eine Besonderheit in dieser Zeit. In der Bismarckstraße, bei den Hinterausgängen, befand sich ein eigener Parkplatz. In den 1950er- und 1960er-Jahren zählte das Capitol zu den großen Filmpalästen der Stadt. Bis zu seiner Schließung wurde der große Saal nicht unterteilt, anders als es bei anderen Kinos (z.B.Ufa-Palast) der Fall war.
1992: Aufgrund des Besucherrückgangs nach der Neueröffnung des Cinedoms gab die Krüger-Gruppe die Kinos auf: Capitol, Movie und Apollo gingen an die Ufa-Tochtergesellschaft Olympia-Filmtheater. Das große Kino Capitol konnte sich nicht mehr lange halten. Es schloß im Jahre 1995.
Ab Dezember 1995 zeichnete sat 1 im ehemaligen Capitol mehrere Jahre lang die „Late Night Show“ von und mit Harald Schmidt auf. Heute existiert an der Fassade noch der Leuchtreklame-Schriftzug „Capitol“, im Gebäude befindet sich ein Möbelhaus.

Architektur

!

Saal im alten Capitol, 1929

Paul Zucker, Lichtspielhäuser, 1931


1929: Architekt war Jacob Koerfer, der kurz zuvor das Emelka-Hochhaus gebaut hatte, eines der ersten Hochhäuser in Deutschland. Das Gebäude war im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfen, ein wuchtiger, klar gegliederter Bau. Die Zuschauerströme wurden über einen Wandelgang zu den Ausgängen an der Bismarckstraße gelenkt, so dass die Besucher des nächsten Films am Haupteingang am Hohenzollernring eintreten konnten.
Die Inneneinrichtung wurde in der zeitgenössischen Literatur folgendermaßen beschrieben: „Die Gesamtarchitektur des Innenraums wird durch die durchlaufenden horizontalen Lichtbänder und ihre Reflexe in der Holztäfelung bestimmt. Irgendein anderer ornamentaler Schmuck ist nicht vorhanden. Die Decke ist mittels gestufter Lichtvouten gegen die Wand abgegrenzt. Ohne besondere dekorative Ansprüche zeigt das Theater das typische Bild einer guten modernen Lösung.“ (Paul Zucker / G.Otto Stindt „Lichtspielhäuser. Tonfilmtheater“, Berlin 1931)
Am 13.6.1928 meldete die Kölnische Zeitung: „[...]ein Lichtspielhaus mit 2035 Sitzen.“ Als „vorbildlicher Kundendienst“ lobte der Film-Kurier 1938 die Einrichtung einer Schreibecke im Empfangsraum, um eilige Brief und Postsachen zu erledigen. (Film-Kurier vom 28.2.1938)

1954: Architekt des Neubaus war Hans Land. In nur neun Wochen Bauzeit wurde eine Stahlbinderkonstruktion errichtet. Der Zuschauerraum war 32 Meter lang und 20 Meter breit. Der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb zur Eröffnung 1954: „Der breite Haupteingang liegt auf der linken Außenseite des Vorderbaus. Die foyerartig ausgestattete, mit einem glasgefaßten Kassenpavillon versehene Eingangshalle führt zu den Garderoben, dem Balkonaufgang und den unteren Saaleingängen. Jede Platzgruppe hat einen eigenen Zugang. Diese Anordnung ergab im Innern zahnartig versetzte Seitenwände und im Gesamtgrundriss des Zuschauerraums ein gedrücktes Oval. Die innenarchitektonische Ausstattung ist auf Gelb, Grün und erdbeerfarbige Polsterung abgestimmt. Der geschwungene Balkon und der große geschwungene Vorhang bestimmen mit dem Rhythmus der Seitenwände die wirkungsvolle Raumeinheit. In einem Voutenumlauf unter der Decke liegt die Beleuchtungsinstallation. Grüne Längsstäbe gliedern die mit gelbem Acella bespannten Seitenwände. In der unteren Seitenzone sind Leuchtkörper mit durchbrochenen Metallschirmen angebracht. Der Vorführwand hat man ein schmales Bühnenpodium vorgesetzt.“ (KStA 29.9.1954)
1990 wurden bei einer Renovierung die Sitzplätze verringert. Der Saal erhielt eine neue Farbgestaltung in Rot, Blau und Gold.

Programm

„Filmtheater und nicht Kintopp“ lautete die Devise für die Programmgestaltung im Capitol. Eröffnet wurde das Lichtspieltheater am 21.2.1929 mit dem Stummfilm „Die Büchse der Pandora“. Fortan setzte sich die Kinoführung dafür ein, „dem Kölner Publikum wertvolle Filme vorzuführen und auch bei der letzten Auswahl noch sorgfältig und verantwortungsvoll zu prüfen“, wie der Film-Kurier zwei Jahre nach der Eröffnung, am 21.2.1931 meldete. Im Oktober 1930 zeigte das Capitol erstmals einen Tonfilm: „Dreyfus“ (u.a. mit Fritz Kortner und Heinrich George).
1938 lief im November, zeitgleich mit der Reichspogromnacht, der antisemitische NS-Film „Juden ohne Maske“.
Die Eröffnung des Neubaus nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 28.9.1954 mit dem Film  „Der Zigeunerbaron“ (1954, Verfilmung der Johann Strauss-Operette mit Paul Hörbiger) statt.
15.05.1958 „Herz ohne Gnade“ mit Hansjörg Felmy, Barbara Rütting
10.10.1975 „Rollerball“ Movie im Capitol: „Der Swimming-Pool“ mit Alain Delon und Romy Schneider
17.12.1976 „King Kong“
14.09.1977 „Die Sklavenhölle der Mandingos“
19.08.1982 „Spiel mir das Lied vom Tod“
Januar 1993: Premiere von „Stalingrad“ von Joseph Vilsmaier, 700 Gäste, eine Benefiz-Veranstaltung für die Kölner Partnerstadt Wolgograd (früher Stalingrad),
08.06.1995 „Die Hard“ 

Kinobetreiber

1929 gehörte das Kino der Phöbus-Emelka Gruppe. Sie besaß damals auch noch das Emelka-Kino im Hansa-Hochhaus, die Schauburg und das Moderne Theater. Ab 1939 gehörte das Capitol zur Ufa.
Der Neubau 1954 wurde von Ludwig und Hans Herbert Blatzheim errichtet und betrieben.  Ab 1956 führte der Münchener Filmproduzent Herbert Tischendorf das Kino.
Erich Hildner war bis in die 1970er Jahre Theaterleiter. 1978 übernahm die Krüger-Gruppe das Capitol. 1992 wurde es Teil des Ufa-Tochterunternehmens Olympia Filmtheater.

Säle

1

Sitzplätze

1990: 700
1987: 900
1954: 1144; ab 1974: Movie: 60
1929: 2000

Technik

1954 Normalfilm, Breitwand, Cinemasope Stereotonverfahren

Kino auf dem Kinostadtplan anzeigen
Capitol



Kinostadtplan


  • Fotos:

!

Capitol 1956


!

Vor dem Capitol, 1955


!

Im Foyer, 1956


!

Palermo Milchbar im Capitol, 1954


!

Saal im alten Capitol, 1929