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Biophon-Theater

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Schildergasse 70, 50667 Köln
Altstadt-Nord, Innenstadt

Eröffnung: 04.05.1907
Schließung: 1909
  nachweisbar bis 1909

Das Biophon-Theater eröffnete am 4.5.1907 gleich neben dem Weltkinemathographen-Theater auf der Schildergasse seine Pforten. Es leistete Pionierarbeit in Sachen Nadeltonfilm."Musizierende, singende Künstlerbilder", „sprechend und lebend. Vollendeste Illusion!“ heißt es in einer Anzeige im Stadt-Anzeiger. Das Lichtspielhaus war mit einer von Oskar Messter patentierten Apparatekombination ausgestattet, dem „Biophon“, das ihm auch seinen Namen verlieh. Es war eine Konstruktion aus Grammophon und Projektor, die synchron betrieben wurden. Die Komponente Ton brachte neue Möglichkeiten ins Programm. So wurden zum Beispiel Szenen aus Verdis Rigoletto vorgeführt. Zur Eröffnung schreibt der Stadt-Anzeiger: "Das Theater macht, was sehr angenehm auffällt, schon äußerlich einen sympathischen, schönen Eindruck. Aber auch die Vorführungen stellen wohl den Höhepunkt dessen dar, was die jetzt sehr beliebte Kinematographen-Technik und verwandte Erfindungen - hier heißen sie Messters Biophon und Thaumatograph - in ihrer Vervollkommnung erreicht haben. Die Bilder sind außerordentlich klar und deutlich und fast flimmerfrei, wodurch die sich entwickelnden Vorgänge eine gewisse, das Auge nicht störende Stetigkeit bekommen; das Zusammenwirken des Phonographen mit den kinematographischen Bildernn vollzieht sich mit einer bewundernswerten Präzision." (Stadt-Anzeiger vom 4.5.1907).

E. Tadsen beschreibt einen Besuch im Biophon-Theater im Jahre 1909 folgendermaßen: "(...)Das Schmuckkästchen der Kölner Kinematographentheater ist entschieden das sich gleichfalls in der Schildergasse befindliche Biophon-Theater der Firma Messter. A.-G., Berlin. Die Firma besitzt deren in vielen Städten und sind alle, die ich kenne, mit gleicher vornehmer Einfachheit und geschmackvoller Eleganz eingerichtet. Es gebührt dieser Firma unbestreitbar der Vorrang, der Kinematographie beim bessern Publikum Eingang verschafft zu haben. Schon die ersten Theater dieser Gesellschaft waren Institute, die die Bezeichnung „Theater" im wahren Sinne des Wortes verdienten. Selbst die Benennung der Plätze, obere, Mittel und vordere Reihe oder auch Ring, wirkt nach aussen besser als die übliche Benennung I., II., IIl. Platz. Dann die innere Einrichtung. Der gesamte Fussboden von der Bühne (denn diese Gesellschaft war die erste, die die Projektionsfläche auf eine wirkliche Bühne verlegte) entgegengesetzt aufsteigend, ist mit Linoleum belegt. Die Bestuhlung durchweg Klappsitze. Die Wände in Schulterhöhe mit Linkrusta, dann bis zum Plafond mit einer ungemusterten, elegant wirkenden Tapete bekleidet; der Plafond weiss mit Gold. Die Beleuchtungskörper unsichtbar montiert, sodass nur der Reflex von der weissen Decke zurückgeworfen den Raum erhellt. Die Projektionsfläche befindet sich im Hintergrunde einer etwa 2—3 m tiefen Bühne. Kulissen, Soffiten und Bühnenboden sind aus tiefschwarzem Stoff hergestellt. Eine Rampe mit Beleuchtung und Dekoration befindet sich gleichfalls vor der Bühne und selbstverständlich fehlt auch der Vorhang nicht; derselbe wird sehr exakt bedient, sodass man kaum die leere Projektionsfläche zu sehen bekommt. Das Instrument wie der Pianist befinden sich innerhalb der Bühnengrenze und sind dem Publikum unsichtbar. Da die Firma Messter bekanntlich den ersten brauchbaren Synchronismus konstruierte und auf den Markt brachte, auch ihre Theater damit einrichtete, so ist das Biophon-Theater die vollständigste Illusion eines Komödienhauses. Kinotechnik und Synchronismus stimmen vorzüglich überein und auch das Grammophon gibt den Text verständlich wieder. Eine vollkommenere Täuschung würde noch erzielt, so die Mechanik das Bild ruhiger vorzuführen ermöglichte. Das einzige Mittel ist bei Tonbildern auch die Handdrehung durch den Motor zu ersetzen, dann wird auch das Schwanken des Bildes auf ein kaum wahrzunehmendes Minimum beschränkt werden. Nun, die Zeit wird auch hierin Besserung schaffen. Die Zusammenstellung des gesamten Programms war gut. Auch eine Garderobe fehlt im Biophon-Theater nicht, und wer könnte der freundlichen Aufforderung, die mehr einer höflichen Bitte gleichkommt, der jungen Dame widerstehen und die Garderobe nicht abgeben ? Und so ist man erstaunt, wie elegant es in diesem Kinematographentheater zugeht. Auch der eifrigste Saulus der Kinotheater muss hier zum Paulus werden. Alles in allem, die Messtersehen Theater sind Muster aller Kinematographentheater (...)".
Plauderei von E. Tadsen, Wanderung durch die Kinematographentheater Köln, in: Der Kinematograph Nr. 123, 1909


Programm

Im Juni 1907 lobte der Stadt-Anzeiger das Programm des Biophon-Theaters: "Das Biophon-Theater, Schildergasse 70, wartet wieder mit einem hochinteressanten Programm auf. Die Vorführungen sind sehr anziehend. Ihr Haupteffekt dabei liegt in der genauen, geschickt herbeigeführten Übereinstimmung der bildlichen und der Schall-Vorführungen. Kinematograph und Grammophon wirken in dem vornehm ausgestatteten Theaterchen in einer solch überraschenden Weise und so genau zusammen, daß der Zuschauer oder Zuhörer auf den Gedanken kommt, daß z.B. die Töne der Arie tatsächlich von den Lippen der Sängerin kommen, die da vor uns auf dem Lichtschirm steht, spricht oder singt." (StA vom 13.6.1907)
In einer Anzeige vom 10.8.1907 betonte das Kinematographen-Theater sein besonderes Programm: "Keine Banalitäten, nur belehrende, anregende und künstlerisch vollendete Darbietungen" und zitierte auszugsweise aktuelle Pressestimmen dazu.

Kinobetreiber

Firma Messter A.G., Berlin

Technik

1907: Biophon


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Biophon-Theater



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