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Boccaccio - Theater

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1906 Wiedereröffnung der Singspielhalle im Colosseum mit Filmen, ab 1924 Boccaccio-Theater, 1929 Umbenennung in Lichtspiele des Zentrums, 1933 wieder Boccaccio

Schildergasse 99-101, 50667 Köln
Altstadt-Nord

Eröffnung: 1924
Schließung: 1943
  Das Kino wurde 1943 zerstört.

Bereits um 1900 existierte auf der Schildergasse 99-101 das Kolosseum (auch Colosseum geschrieben). Neben einem Automaten-Restaurant gab es dort ein Wein- und Bier-Restaurant sowie ein Café und einen Festsaal. In dem Festsaal, der auch "Tonhalle" bezeichnet wurde, wurden musikalische Darbietungen geboten.
Zur Eröffnung der "neuen modernen Singspielhalle im renovierten Festsaale" des Colosseum im September 1906 wurden auch "Bioskop-Lichtbilder" im Programm angekündigt. Die "lebenden Photographien" waren damals noch ein Programmpunkt unter vielen. Im März 1912 erteilte das Königliche Polizei-Präsidium in Cöln die Erlaubnis zur Führung eines Kinematographen-Theaters. Dennoch wurde das Haus bis 1920 in erster Linie als Musik- und Variete-Theater genutzt. Im Januar 1921 kündigte der Polizei-Präsident zu Cöln an, dass der architektonischen Neugestaltung der "Boccaccio-Künstlerspiele" am 1. Februar 1921 nichts im Wege stehe. Das Boccaccio wurde vermutlich ab 1924 erstmals als Kino mit 1000 Plätzen geführt. Nach erneuten Umbauten 1929 erhielt es den Namen "Lichtspiele des Zentrums", 1933 wieder den Namen "Boccaccio". Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Architektur

1920-1924 Erneuerung durch Architekt Fritz Fuß
1940: Vollständige Erneuerung, die sich auf alle Räumlichkeiten bezog. Ausführender Architekt war Hanns Rüttgers, Düsseldorf
"...Viel überflüssiges Stuck- und Holzbeiwerk aus früheren Jahren mußte entfernt werden, um erst einmal etwas Linie in das ganze hineinzubekommen. Helle freundliche Farben und auch Tapeten ziehen das Augenmerk der Besucher auf sich, die von dieser würdigen Kulturstätte überrascht sind." (Film-Kurier, 24.4.1940)

Programm

Am 5. September 1929 wurde das ehemalige Boccacio nach umfangreichen Umbauten unter dem neuen Namen Lichtspiele des Zentrums mit dem Tonfilm "Arche Noah" eingeweiht. Da noch keine Tonfilmprojektoren angeschafft waren, lief der Film als Stummfilm. Trotz der eingeklebten Zwischentitel fiel der Film beim Publikum durch.
1940: Zur Wiedereröffnung nach einer vollständigen Renovierung wurde der Film "Mutterliebe" gezeigt. (Film-Kurier, 24.4.1940)

Kinobetreiber

1925 "Kammerspiele" Film und Bühne, Köln, Schildergasse 99/101
1927 Boccacio-Theater, Film u. Böhne G. m. b. H., Schildergasse 99-101. Büro: Schildergasse 32-34. FA: Rheinland 1509 u. Anno 3320. Inh: W. Hünnes, Richmodstr. 13; C. Sahler, Hohe Straße 115; H. Hünnes, Riehlerstr. 62. Sptg: Täglich. Pr: Freitag. 1000 PI. Bühne.
Bis 1928: Boccaccio-Theater, Film und Bühne, Schildergasse 99 bis 101, F: Rhld. 9123, Gr: 1924, täglich, V, S, H 900 I: C. Sahler und H. Hünnes Dir.: Gassinger
Pächter waren die Gebr. Hünnes; das Haus gehörte Frau Emma Millowitsch
November 1928: Pächter Hans Neumann (Schwager von Karl Wolffsohn)
Am 25.7.1929 berichtete der Film-Kurier, dass Jean Bringemeier die Lichtspiele des Westens von der Rex-Film-Gesellschaft erworben hat und auch in den Pachtvertrag für das wieder zu eröffnende Theater "Lichtspiele des Zentrums" eingetreten ist. Ein Jahr später, am 8.11.1930 schrieb der Film-Kurier: "Herr Bringemeyer hat zur mitternächtlichen Stunde das Theater vollständig räumen lassen und alles herausgeholt. Jetzt ist das Theater geschlossen. Der Grund soll in Unstimmigkeiten mit dem Inhaber zu suchen sein."
1930 Lichtspiele des Zentrums, Schildergasse 99/101, F: Rheinland 9123, Gr: 1929, täglich, H, R, V, S 900 I: Dir. Jean Bringemeier, Köln-Rodenkirchen, Weißer Weg 91 Gf: Walter Niemann
Am 18.11.1930 teilte der Film-Kurier mit: "Die vor wenigen Tagen geschlossenen Lichtspiele des Zentrums sollen jetzt wieder neueröffnet werden. Das Haus war von der bekannten Kölner Theaterfamilie Millowitsch an die Familie Hünnes verpachtet worden. Die Geschäftsführung der Lichtspiele des Zentrums liegt in Händen des Herrn Guttmann, der gleichzeitig auch die Kölner Lichtspiele des Westens und die Lichtburg in Essen leitet."
1.4.1931: "Dr. Lommertzheim, Inhaber des ´Filmpalastes´ an der Hohestraße und des ´Agrippina´ an der Breitestraße, das früher von der Ufa ihrer Sonderklasse zugeteilt war, übernimmt am 1. April die ´Lichtspiele des Zentrums´ an der Schildergasse. Das Theater soll wieder auf Tonfilm umgestellt werden." Film-Kurier vom  21.3.1931
1932 Lichtspiele des Zentrums (Boccaccio-Theater), Schildergasse 99/101, F: 228060, Gr: 1924, täglich, H, R, S, T-F: Klangfilm 1000 I: Lichtspielbühne G. m. b. H., Köln, Hohe Straße 11/13 Gf: Dr. H. Lommerzheim, R.-A. A. Friede
1933 Boccaccio-Theater, 1, Schildergasse Nr. 99/101, F: 221591, Gr: 1924, täglich, H. R. V, S, B: 100 qm, Kap: Mech. Musik, T-F: Klangfilm 800 I: Dr. A. B. Cotta, Düsseldorf 1, Haroldstraße 17, F: 13493 Gf: G. H. Mellini
1934 Boccaccio-Theater 1, Schildergasse Nr. 99/101, F: 221591. Gr: 1924, täglich. H. R. V, S, B: 100 qm, Kap: Mech. Musik, T-F: Klangfilm 800 I: Dr. A. B. Cotta, Düsseldorf 1, Haroldstraße 17, F: 13493 Gf: G. H. Meilini
1937 Boccaccio-Theater, 1, Schildergasse Nr. 99/101, F: 221591, Gr: 1924, täglich, H, V, S, B: 100 qm 700 I: Vereinigte Kino-Theater-G. m. b. H., Düsseldorf, Wagnerstr. 42
1940 Boccaccio-Theater, 1, Schildergasse 99/101, F: 2271 17, Gr: 1932, B: 100 gm, V, S I 700/tgl. I: August Hofeditz, Kaiser-Friedrich-Ufer 41, F: 72 861, Gf: Heinz Bucco (1940, Reichs-Kino-Adressbuch, auch Film-Kurier 24.4.1940)
1941 Boccaccio-Theater, 1, Schildergasse 99/101, F: 2271 17, Gr: 1929, V,S, B: 40 gm 700/tgl I: Hans Behringer, Köln-Ehrenfeld, Subbelrather Straße 83, Gf: Ludwig Sturm


Säle

1

Sitzplätze

1926: 1000 Plätze (Reichs-Kino-Adressbuch)
1930: 800 Plätze (Kinematograph, Beilage, 6.9.1930)
1930: 900 Plätze (Reichs-Kino-Adressbuch)
1940: 700 Plätze (Reichs-Kino-Adressbuch)

Technik

1940: Ernemann Stand-B-8-Maschinen


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