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Schauburg

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auch als Schauburg Lichtspiele bekannt

Breite Straße 90, 50667 Köln
Altstadt-Nord, Innenstadt

Eröffnung: 12.04.1922
Schließung: 31.03.1963
  Das Kino wurde am 31.5.1942 von Bomben beschädigt und am 3.12.1948 wieder eröffnet. Am 31.3.1963 wurde es endgültig geschlossen und abgerissen. An seiner Stelle baute der WDR.


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Schauburg 1927, Fotograf W. Mantz

Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_L006759_67


Nach einem Gespräch mit Margarete Tietz (Kaufhauskonzern Tietz in Köln) gelang es dem Berliner Maschinenbau-Ingenieur Mathias Josef Kautz das Grundstück Breite Straße 90 für den Bau eines Kinos zu erwerben. Es lag unmittelbar neben den Agrippina-Lichtspielen (Breite Straße 92-98), die zehn Jahre zuvor eröffnet worden waren. Eine Bedingung der Verkaufsverhandlungen war, dass Georg Falck, der auch die Agrippina-Lichtspiele entworfen hatte, als Architekt verpflichtet wurde. Er passte die Architektur des Neubaus - dem Zeitgeschmack entsprechend - an die des Agrippinahauses an. Die Schauburg zählte zu den modernsten Kinos in der Stadt und zeigte - neben drei weiteren Kinos - Weihnachten 1929 erstmals Tonfilme.
Nach der Zerstörung des Kinos im Jahre 1942 und dem Tod von Matthias Josef Kautz und seinem Sohn Jean Kautz, versuchte die Erbengemeinschaft, vertreten durch Kurt Kautz und seine Schwester Edith, bei der Reichsfilmkammer die Erlaubnis zum Wiederaufbau zu erhalten. Dies wurde von der Stadt mit dem Argument abgelehnt, dass das Kino nicht in die städtischen Pläne für den Wiederaufbau passe. Aufgrund einer Verordnung der "Reichswirtschaftsgruppe Feinmechanik und Optik" wurden die Vorführapparaturen der Schauburg im Dezember 1943 "leihweise" anderen Kinos zur Verfügung gestellt. Gauleiter und Staatsrat Josef Grohé, der die Verordnung ausführte, sicherte sich die Maschinen für sein eigenes, 1943 erworbenes Kino, die Union-Theater-Lichtspiele in der Sechzig Straße in Nippes. Er verlieh der Forderung nach Herausgabe der Vorführgeräte zusätzlichen Druck, indem er Edith Kautz mit dem Osteinsatz drohte. Die Familie Kautz hat die Maschinen nie zurück erhalten. In der unmittelbaren Nachkriegszeit entschied die britische Militärregierung, dass der neue Besitzer der Vorführgeräte, Herr E. Laniado aus Düsseldorf, eine Entschädigung an die Familien Kautz zu zahlen habe. (Zitiert nach Bruno Fischli, Vom Sehen im Dunkeln, Prometh Verlag 1990, S. 77).

Architektur

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Saal in der Schauburg, Fotograf W.Mantz

Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_L006749_02


Die Fassade des Hauses war mit kunstvoll gearbeiteten expressionistischen Bildhauerarbeiten ausgestattet, die vermutlich von dem mit Georg Falck befreundeten Bildhauer Johannes Knubel geschaffen worden waren. Ein langer weiter Flur mit Reklamevitrinen, kleinen Verkaufsständen und Garderobe für die Parterreplätze führte zu dem eigentlichen Kinosaal mit 1868 Plätzen, der sich als große Halle hinter dem Agrippinahaus befand.
Einen Tag nach der Eröffnung heißt es im Kölner Stadt-Anzeiger: "Ein breiter, weiter Saal mit einer Galerie darüber; keine vertäfelten Logen mehr, alles offen dastehend. Klappsitze unten, bequeme Sessel oben. In Rot und einer fahlen Fleischfarbe, zu hellstem Braun neigend, ist alles gehalten, grünlich die Decke. Die Galeriebrüstung weist in den fast pompejanisch roten Füllungen expressionistische Zeichnungen auf. Zur Galerie führt eine breite Treppe, in hellgrüner Dekoration gehalten, ein Vorraum mit Bildverzierungen in expressionistischem Stil. Grüner Samt deckt die weiße Leinwandfläche, auf der die Bilder abrollen sollen."

1928, am Ende der Stummfilmzeit, wurde das Kino durch Georg Falck modernisiert.

Bei einem ersten Bombenangriff auf Köln im Jahre 1941 zerstörten Brandbomben das GEbäude. Zwar wurde es noch während des Krieges wieder aufgebaut, dass Filme gezeigt werden konnten, doch bevor es dazu kam, wurde der zurückliegende Kinosaal  am 31. Mai 1942 völlig zerstört. Auch das Gebäude an der Breite Straße lag in großen Teilen in Trümmern.

Das Kino wurde 1948 wiederaufgebaut und am 3. Dezember 1948 wiedereröffnet. Der Neubau beschränkte sich auf den Bereich des ehemaligen Foyers, das zu einem 350 Plätze fassenden Saal umgebaut wurde. Große Sorgfalt legte man auf die Restaurierung der stark beschädigten expressionistischen Fassadenreliefs. Ende der 1960er-Jahre wurde die Schauburg für einen Neubau abgerissen.

Programm

In der Schauburg fanden neben Kinoveranstaltungen auch Boxkämpfe und Theateraufführungen statt.
1934: "Heute Abend bei mir", "Die Frau im U-Boot"

Kinobetreiber

Mathias Josef Kautz, in Berlin ansässiger Maschinenbau-Ingenieur, gründete für den Erwerb des Grundstücks die Alt-Köln GmbH und für die Führung des Kinos die Schauburg GmbH. Er war Geschäftsführer beider Gesellschaften, für die Schauburg GmbH zusammen mit seinem Schwiegersohn, dam Bankkaufman Josef Rösener, dem bereits das Alhambra auf der Ehrenstraße gehörte. 1929 trennten sich die Beiden, Kautz zahlte seinen Schwiegersohn mit 750.000 Reichsmark aus.
Am 23. April 1923 meldet der Film-Kurier, dass die "Phoebus AG" im Emelka-Konzern "in Köln das größte Theater Deutschlands  überhaupt, die Schauburg mit 2040 Plätzen" erworben hat.
Am 2. April 1932 kündigt die Fachzeitschrift "Der Kinematograph" an: "Die Emelka schließt ihre Nachaufführungstheater (Emelka-Hochhaus-Theater am Ring Modernes Theater und Schauburg) am 31. März." Das Emelka wurde in neuer Trägerschaft fortgeführt.
1933: Inhaber ist wieder M.J. Kautz
Film-Kurier vom 12.5.1934: "Herr Fink hat am Himmelfahrtstag in Köln sein neues Unternehmen ´Schauburg´ nach achttägiger Renovierungsarbeit neueröffnet und gleich am ersten Tage großen Erfolg gehabt."
Ab 1937 und während des Zweiten Weltkrieges führte W. Finck das Kino, der bereits das Agrippina nebenan besaß.
1948 führte die Erbengemeinschaft Edith und Kurt Kautz das Kino.

Säle

1

Sitzplätze

1868 (1922); lt: Film-Kurier vom 23.4.1923 hat das Kino 2040 Plätze
1764 (Kölnische Zeitung, 15.4.1928)
1860 (2934) Film-Kurier
350 (1948)

Technik

Am 29. April 1940 meldete der Film-Kurier: "Die Schauburg in Köln, Besitzer Wilhelm Fink, hat in den letzten Wochen eine grundlegende Erneuerung ihrer technischen Anlagen vorgenommen. so wurden zwei Ernemann-VII-B-Maschinen aufgestellt und eine Euronor-Apparatur eingebaut. Eine Groß-Lautsprecher-Kombination bietet die Gewähr, daß der Ton gut herauskommt, während eine neue Bildwand ein besseres Bild gewährleistet. Damit genügt das drittgrößte Kölner Lichtspielhaus allen neuzeitlichen Ansprüchen."


Kino auf dem Kinostadtplan anzeigen
Schauburg



Kinostadtplan


  • Fotos:

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Schauburg 1927, Fotograf W. Mantz


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Saal in der Schauburg, Fotograf W.Mantz