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Agrippina-Lichtspiele

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auch Agrippina-Theater

Breite Straße 92-98  , 50667 Köln
Altstadt-Nord, Innenstadt

Eröffnung: 08.03.1913
Schließung: 1943
  In der letzten Ausgabe des Reichs-Kino-Adressbuches von 1942 noch genannt. Die genaue Schließung im Zweiten Weltkrieg ist nicht bekannt.


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Agrippina-Theater

Paul Zucker, G. Otto Stindt: Lichtspielhäuser


Ein Jahr nach der Fertigstellung des vornehmen Agrippina Wohn- und Geschäftshauses auf der Breite Straße öffnete das Agrippina-Kino 1913 seine Pforten. Bereits der Eingang des Kinos spiegelte den Prunk des Lichtspielhauses wieder. Die mit Marmor verkleideten Wände waren mit goldenen Schaukästen behängt, in denen Werbeplakate für die neusten Filme hingen. Das Kino fasste 900 Zuschauer und verfügte über sechs Parterre-Logen.
Ab 1922 war das Agrippina ein Ufa-Theater und bestand als solches bis zur Eröffnung des Ufa Lichtspielhauses am Ring. Die 1920er-Jahre waren für das Agrippina eine schwere Zeit. Während der Rezession lockte man die Gäste mit Sonderveranstaltungen in die Säle. Am 9. Juni 1928 trat beispielsweise ein Hypnotiseur im Agrippina auf, der „einen Vortrag über die neueste Diagnostik im Hellsehen und Psychoanalyse, verbunden mit Experimenten“ hielt.
Als Wilhelm Fink, Pächter der Schauburg, die im Nebenhaus 1922 mit 1800 Plätzen neu eröffnete, das Agrippina übernahm, wurde es zum Zweitaufführungstheater mit dem Recht auf Erstaufführungen.


Architektur

Die Agrippina Lichtspiele waren nach dem Modernen Theater das zweite große Lichtspielhaus, das in  den 1910er-Jahren in Köln erbaut wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden lediglich Wohnhäuser zu Kinematographentheater umgebaut. Die Architektur und prunkvolle Ausstattung erinnerte an die großen Schauspiel- und Opernhäuser der damaligen Zeit. Entworfen wurde der Bau Ecke Breite Straße/Auf dem Berlich vom Architekten Georg Falck, der auch einer der Investoren des modernen Neubaus war.
Eine fünf Meter breite und zwanzig Meter lange Passage, deren Wände mit Marmor verkleidet und mit zahlreichen Schaukästen ausgestattet waren, führte zum Kinoeingang. Der Boden war mit einem roten Teppich ausgelegt. Betrat man das Lichtspielhaus, gelangte man durch eine weitere fünfzehn Meter tiefe Wandelhalle, deren Boden und Wände ebenfalls mit Marmor verkleidet waren, ins Parkett oder in eine der sechs Parterre-Logen. Zwei, an beiden Seiten der Wandelhalle hinaufführende Treppen führten auf die Empore oder in die Logen.

Programm

Während der Novemberrevolution spielte das Agrippina am 16.11.1918 u.a. „Ring der drei Wünsche“ mit Alexander Moissi und „Liebesopfer“.
Ende der 1920er-Jahre gab es Beiprogrammme (z.B Hypnotiseur, Hellseher, Psychoanalyst), um mit den Erstaufführungstheatern konkurenzfähig zu bleiben.
Ende des Jahres 1929 bot das Agrippina auch Tonfilm an.

Beispiele aus dem Filmprogramm der Agrippina Lichtspiele
Oktober 1935: "Die Kreuzritter" (Paramount)
Januar 1937: "Shirley ahoi" (Fox) 2,5 Wochen
Februar 1937: "Standschütze Bruggler" (Ufa), "Die Botschaft an Garcia"
März 1937: "Das Mädchen Irene", "Zwischen Abend und Morgen" (Ufa), "Das Hofkonzert" (Ufa)
April 1937: "Und Du mein Schatz fährst mit", "Ritt in die Freiheit".

Kinobetreiber

1914: Arthur Hauth und Walter Gordon (Greven´s Adressbuch 1914)
1915: "Geschäftsführer der Agrippina-Lichtspiele Gesellschaft mit beschränkter Haftung sind Karl Gordon, Kaufmann, und Adolf Schmitz, Kaufmann. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt 20.000 Mark. Der Gesellschaftsvertrag ist am 4. Mai 1915 geschlossen worden." (Der Kinematograph, Nr. 440, 1915).
1917: Der Kaufmann Bruno Drescher in Köln ist zum weiteren Geschäftsführer bestellt. (Der Kinematograph, Nr. 554, 8.8.1917)
1918: Betreiber ist die "Rheinische Lichtspiel A.G." in Cöln, Geschäftsführer Karl Gordon und Bruno Drescher
1920/21: Decla-Bioscop A.G., Berlin, Nachtrag: Agrippina Lichtspiele gehören jetzt der Decla-Bioscop A.G. Berlin, Geschäftsführerin: Clotidle Strauß.
31.5.1922 (Handelsregistereintrag) Das Agrippina Theater geht durch Fusion der Decla-Bioscop A.G. und der Ufa in den Besitz der Ufa über.
Der Geschäftsbetrieb ruht ab dem 1.1.1924
Ab 24.2.1924 ist die Ufa-Theater-Betriebs G.m.b.H. Betreiberin bis 1930; Leiterin war von 1913-1927 Frl. Strauß; am 28.9.1930 heißt es im Stadt-Anzeiger: "Die Ufa wird um die Jahreswende das von ihr gepachtete Agrippina-Theater in Köln verlassen. Geplant ist ein eigener Millionenbau, der freilich vor dem Sommer 1931 nicht fertig werden dürfte."
1925 Agrippina-Lichtspiele, Breitestraße 92/98, F: A 8060, Gr: 1913, H, täglich 700 I: Ufa A.-G., Berlin
1927 Agrippina-Lichlspiele G. m. b. H., Breite Str. 92-98. Inh: Ufa-Theater- Betriebs-G. m. b. H. Gf: Dir. Otto König und Carl Gordon. FA: Anno 8060. Sptg: Täglich. Pr: Freitag.
1928 Ufa-Theater „Agrippina", ´ Breite Str. 92/98, F: A8060, täglich 800 (Ufa-Konzern)
1929 Ufa-Theater „Agrippina", Breite Straße 92/98. F: A 8060, täglich 800 (Ufa-Konzern)
1930 Ufa-Theater „Agrippina", Breite Straße 92/98, F: A 8060, täglich 800 Ufa-Konzern
1931 steht das gesamte Bürohaus unter Zwangsverwaltung; Am 21.3.1931 schreibt der Film-Kurier: "Dr. Lommertzheim, Inhaber des ´Film-Palastes´ an der Hohestraße und des ´Agrippina´ an der Breitestraße, das früher von der Ufa ihrer Sonderklasse zugeteilt war..."
1932 -1933: Colonia-Lichtspiele GmbH, Geschäftsführer: Dr. H. Lommerzheim, R.-A. A. Friede
24.12.1932: Der Film-Kurier meldet: "Am zweiten Weihnachtstag wir in Köln das seit Anfang dieses Monats geschlossene Agrippina-Theater nach erfolgtem Umbau und der Installation einer neuen Apparatur wieder eröffnet. ...Das Theater gehört Herrn Rogozinski; den Umbau leitete Oskar Rosendahl, Düsseldorf..."
1934: Agrippina Theater GmbH, Geschäftsführer: Dir. S. Rogozinski
1936: „Die Siegel-Produktion hat sich das Agrippina-Theater gesichert“ (RWZ, Nr.44 vom 24. Oktober 1936)
1937-1941 wird Wilhelm Fink als Pächter genannt, der auch in der Kalker Hauptstraße 118-122 ein Kino betreibt sowie die Schauburg
1940 Agrippina-Theater, Breite Straße 92/98, F: 22 80 72, H 925/tgl. I: W. Fink, Schildergasse 101 a, F: 2274 48
1941 Agrippina-Theater, Breite Straße 92/98, F: 22 80 72, H 925/tgl I: W. Fink, Schildergasse 101 a. F: 2274 48




Säle

1 Saal

Sitzplätze

1000 Plätze (1918, Kino-Adressbuch)
815 Plätze (1920, Kino-Adressbuch)
925 Plätze (15.5.1937 Rheinisch-Westfälische Filmzeitung)
6 Parterre-Logen

Technik

Das Agrippina zeigte am 1.12.1929 zum ersten Mal einen Tonfilm, den englisch-deutschen Spielfilm "Atlantic" - und überzeugte damit auch die Kritiker. Es war eines der ersten Kinos in Köln, das Tonfilme im Programm hatte. Weihnachten 1929 spielten bereits vier Kinos Tonfilme (Agrippina, Fränkischer Hof, Lichtspiele des Westens und die Schauburg).
Im Dezember 1932 erhielt das Kino eine neue Klangfilm-Apparatur Modell Europa I - geliefert vom Ufa-Handel. (Film-Kurier vom 24.12.1932)


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  • Fotos:

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