Die Kölner Wochenschau
1976 entstand mit der Kölner Wochenschau das erste Videomagazin in Köln, das in unregelmäßigen Abständen über kommunalpolitische Auseinandersetzungen berichtete und mit Fernsehmonitoren auf Straßen und Plätzen (Chlodwigplatz), in Kneipen und in Kinos (u.a. im Savoy) vorgeführt wurde.
Zu den Mitbegründern gehörten neben Christian Maiwurm, Jochen Fischer und Monika Minzlaff (damals fest angestellte Redakteurin des WDR) auch Heinrich Pachl. Sie gingen mit der Kamera auf die Straße, stellten Kölner Alltagsprobleme dar und versuchten „möglichst viel über das, was in den einzelnen Stadtgebieten vor sich geht, zu informieren“, wie Heinrich Pachl im September 1978 in der Kölner StadtRevue schrieb. Eng verbunden mit Bürgerinitiativen vor Ort ließen sie in ihren Beiträgen Betroffene zu Wort kommen und machten Probleme transparent, die in den traditionellen Medien keinen Platz fanden.
Von 1976 bis 1981 produzierten sie Videos, die sie thematisch jeweils zu einer 30-minütigen „Wochenschau“ zusammenfassten und auf Monitoren in Kinos, auf der Straße und in Kneipen vorführten. Bei Auseinandersetzungen um die Sanierung des Kölner Severinsviertels und den Verkauf der Schokoladenfabrik Stollwerck an die Stadt Köln wurden Filmbeiträge auch schon mal über Nacht geschnitten und am nächsten Tag öffentlich vorgeführt.
Vorbilder waren nicht die Dokumentationen des Fernsehens, sondern Dokumentaristen wie D.A. Pennebaker, Robert Drew und Richard Leacock aus den USA, bei denen „die Dramaturgie des Ereignisses die Dramaturgie des Filmes“ bestimmte, und auch subversiven Humor erlaubte. „Das war natürlich etwas überheblich, weil wir mit unserem bescheidenen Equipment gar nicht in der Lage waren, so etwas gut hin zu kriegen,“ kommentiert Heinrich Pachl die Anfangsjahre.
Schwerpunktthemen der Kölner Wochenschau waren Mieterprobleme und Proteste gegen Wohnhauszerstörungen, der Bau der Stadtautobahn, die Stadtsanierung im Severinsviertel und Verkauf und Zerstörung der ehemaligen Schokoladenfabrik Stollwerck.
Für Heinrich Pachl gehört der Wochenschau-Beitrag „Besuch beim Stadtdirektor“ im Rückblick zu den Highlights ihrer Arbeit. Dokumentiert wird ein Gespräch zwischen Martin Stankowski und Stadtdirektor Baumann über den Verkauf des Stollwerck-Geländes im Kölner Severinsviertel, bei dem Heinrich Pachl die Kamera führte. ("Kölner Wochenschau – Schnäppchen").
Stankowski war damals Journalist beim Kölner Volksblatt und konfrontierte den städtischen Beamten mit dem Vorwurf, die Stadt habe beim Kauf des Stollwerck-Geländes überhöhte Preise an das Unternehmen gezahlt. Baumann wies dies zurück, verhedderte sich jedoch so sehr in seinen Zahlenangaben, dass Interviewer und Interviewter zum Schluss vor laufender Kamera gemeinsam mit Stift und Papier die für das Grundstück gezahlten Millionen in Quadratmeterpreise nachrechneten – und Stankowskis Vorwurf wurde dabei bestätigt. „Das waren“, so Heinrich Pachl „einfach geniale Situationen, wo man ohne viel Schnickschnack viel machen konnte.“
1981, nach fünf kreativen Jahren, stellten die Kölner Wochenschau-Macher das Magazin ein. Aber sie hatten Nachahmer gefunden und ein anderes Videoprojekt erlebte damals seine Hochphase: LURENS – ein Magazin „von Jugendlichen für Jugendliche“, das vom Jugendfilmclub Köln e.V. ausging.


