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Lichtspiele des Westens

ab 1951 Rex am Ring

Hohenzollernring 60, 50672 Köln
Neustadt-Nord, Innenstadt

Eröffnung: 20.05.1928
Schließung: 1941
  Wiederaufbau 1951



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Lichtspiele des Westens, 1935

Rheinisches Bildarchiv


Die Lichtspiele des Westens entstanden 1928 als letzter großer Kinobau der Stummfilmperiode am Hohenzollernring. Mit seinen 850 Plätzen und seiner „modernen“ Architektur und Ausstattung hob sich das Kino von den Lichtspielhäusern der wilhelminischen Zeit ab. Die Bauhaus-Architektur bot nach außen eine neue Sachlichkeit, während das Kino im Innern durch eine repräsentative Ausstattung glänzte. "Das Theater wendet sich ausschließlich an verwöhntes und vornehmes Publikum", kündigte die Fachzeitschrift "Der Kinematograph" im Oktober 1927 an (Nr. 1080). Dem entsprach sowohl die Ausstattung, als auch das Programm.
Das Kino wurde im Krieg von Bomben zerstört und 1951 von dem Düsseldorfer Architekt Ernst Huhn neu aufgebaut. Am 1. August 1951 wiedereröffnete Herbert Strate unter dem neuen Namen Rex am Ring die ehemaligen Lichtspiele des Westens.

Architektur

Die Architekten Karl Müller und Paul Schäfer errichteten die Lichtspiele des Westens 1927/28 im linearen Bauhaus-Stil und setzten sich so von den mit floralen Stuckelementen verzierten Kinobauten der wilheminischen Zeit ab. Das „spezifisch Moderne“ hob der Kölner Stadt-Anzeiger in einem Artikel kurz nach der Eröffnung des Kinos hervor: „L.D.W., ein Tempelchen in stilstrenger Bauhaus-Manier, die Plombe im hohlen Zahn des Hohenzollernrings. Denn jahrelang blieb dieses Grundstück eine häßliche Lücke. Die Kölner BDA-Baukünstler Karl Müller und Paul Schaefer schufen Haus und Raum, die Vorhallen oben und unten in schlichtem Blaugrün, das gestreckte Theater in vorsichtig gedämpften Tönen (Ist’s orange? Tango? Lachs?), mit Palisanderholz gesockelt, die Sesselreihen weinrot gepolstert, die Geländer gold bronziert. Es riecht noch neu, süßlich lackiert, aber man freut sich, einen neuen Bühnensaal in Köln zu haben, der statt verstaubter Stucküberladung oder jugendgestilter Artistik lineare Formen wahrt, alles ist schnittig eingeordnet… man wittert Geschmack und Fortschritt.“

Und die Architekturzeitschrift „Moderne Bauformen“ schrieb 1929: „Es kam darauf an, ein Lichtspielhaus zu bauen, das den Ansprüchen der werdenden Weltstadt an höchst exponierter Stelle genügen sollte, und das einer möglichst großen Anzahl von Besuchern auf verhältnismäßig beschränktem Raum Platz zu bieten hatte... Im Ganzen wurden damit ca. 800 einheitliche Sessel ermöglicht, die in ihrer Ausstattung als Einheitssitz eine Neuartigkeit für Köln darstellen und einen Fortschritt in der Kinoausrüstung....
Die Fassade an dem Hohenzollernring paßt sich der Architektur der anliegenden Häuser nicht an. Sie ist nicht der früher gebauten Umgebung untergeordnet, sondern der Idee eines zweckmäßigen und schönen Straßenraumes. Wie die neueste Entwicklung zeigt, hat sich die Idee als sehr werbend erwiesen. Der für die Fassade verwandte Ettringer Tuffstein vom ersten Stockwerck an und der geschliffene Muschelkalk im Erdgeschoß haben sich als außerordentlich geeignet erwiesen, trotz der leider immer noch notwendigen Verblendung von Betonbauten den stabilen Eindruck des Bauwerkes zu wahren. Die Wände in der Eingangshalle und die Rangtreppen wurden in Donau-Kalkstein ausgeführt. Der Fußboden der Eingangshalle in bleu-beige und deutsch-rot Marmor ausgelegt. Mit dieser Ausstattung entspricht der Vorraum den Anforderungen eines modernen Lichtspielhauses ausgezeichnet. Die graue Tönung der Wände, der Marmor und die in einfachen Formen gehaltenen Bronzearmaturen der Kasse, der Türen usw., sowie eine Bronzeplastik von Fr. Berlin erzeugen einen ruhigen und vornehmen Eindruck. Alle Saalwände sind mit Sperrholzplatten verkleidet. Der untere Teil wurde mit Palisanderflächen zu einer geschlossenen, wohltuenden Wandtäfelung verbunden, während die obere Häfte der Seitenwände in lichten Farbtönen gestrichen wurde. Der dadurch erreichte Kontrast tritt in dem breiten, durchlaufenden Band ausgezeichnet hervor.
Die Treppenaufgänge und der Erfrischungsraum sind in lichtem Grün gehalten. Die gepolsterten Sessel sind ganz in Rot, der Bühnenraum und die übrigen Profile der Rangbrüstung und Türen sind in Gold gehalten….. Im Theatersaal nur indirektes Licht an der Saaldecke, vollständig blendungsfrei in goldgelber Farbe. Decken- bzw. Lüftungsrosetten besonders indirekt angeleuchtet. Die Bühne wird erhellt durch mehrfarbige Einfassung in gelb, rot, blau und weiß. Mit der Lichtschalterapparatur im Bildwerferraum eng verbunden ist die elektrische Vorhangbetätigung und der Bildwandmechanismus. Über der Bildwand ist die Hauptorgel eingebaut. Der Orgelausschnitt (vertikale Ornamente) kann ebenfalls durch Soffitenröhren mehrfarbig angeleuchtet werden. Die Saal- und Bühnenbeleuchtung wird über Saalverdunkler geführt und vom Vorführraum aus bedient, wo sich auch die Hauptschalttafel befindet.“ (zitiert nach Fischli, Bruno: Vom Sehen im Dunkeln, 1990, S. 49).

Nach der Zerstörung im Krieg wurde das Kino 1951 von dem Düsseldorfer Architekten Ernst Huhn, der drei Jahre später auch den Ufa-Palast wiederaufbaute, neu erbaut und als Rex am Ring eröffnet.

Programm

Zur Eröffnung warben die Lichtspiele des Westens am 19. Mai 1928 mit einem „Festprogramm“ im Kölner Stadt-Anzeiger. Im Mittelpunkt stand der Film „Der Orlow“ nach Motiven der gleichnamigen Operette. Der zweite Teil des Spielplans verzeichnete eine „lustige Künstlergeschichte“ - „Rampenlicht“ - „ferner interessante Aufnahmen vom Wintersport in den bayerischen Bergen und LDW-Spezialberichte (Neues aus aller Welt). Begleitet wurde das Filmprogramm von der ersten „großen Standaart-Kino-Orchester-Orgel mit Fernwerk, gespielt von Pierre Palla, Amsterdam“.
Mit der Übernahme der Lichtspiele des Westens durch die Lichtburg-Theaterbetriebs GmbH Essen im Juli 1930 war geplant, "große stumme Filme (Reprisen)" zu zeigen, musikalisch begleitet von einem "guten Orchester".
1932 spielten die Lichtspiele des Westens u.a. „Hitlerjunge Quex“ und kündigten das Programm als „Jugendfestvorstellung mit großem Beiprogramm an und um die Hälfte verbilligtem Eintrittspreis für Jugendliche. 1934 wurden die Jugendfestvorstellungen als Jugendfilmstunden, die allen Jugendlichen unter 18 Jahren und allen Angehörigen der HJ-Jugend offenstanden, fest institutionalisiert. (zitiert nach Bruno Fischli, Vom Sehen im Dunkeln, S. 61)

Kinobetreiber

Die Fachzeitschrift "Der Kinematograph" meldete im Oktober 1927: "Das neue ´Kino des Westens´ auf dem Hohenzollernring in Köln wird von Herrn Julius Rothschild voraussichtlich Mitte Januar eröffnet werden." (Nr. 1080, 1927).
Julius Rothschild, ein jüdischer Kaufmann aus Jünkerath, war wie sein Bruder Norbert, kurzzeitig im Filmgeschäft aktiv. Bereits zwei Monate nach der Eröffnung geriet das Kino in finanzielle Schwierigkeiten. Julius Rothschild führte ab Juli 1928 zunächst gemeinsam mit Vertretern der Gläubiger die Geschäfte, ab Dezember 1928 übernahm die Rex-Film-Gesellschaft die Leitung, sie betrieb auch das Boccaccio-Theater. (Film-Kurier vom 23.7.1928,26.7.1928, 14.12.1928)

Im Juli 1929 übernahm Jean Bringemeier von der Rex-Film für 75.000 RM Abfindung die Lichtspiele des Westens (Film-Kurier vom 25.7.1929)

1929 Besitzer lt. Greven´s Adressbuch: Julius Rothschild
I: Helvetia Verlag G. m. b. H., Dir., Berlin SW 48 Gf: Hans Neumann (Greven´s Adressbuch)

Am 17.7.1930 meldete der Film-Kurier, dass die Lichtspiele des Westens "wieder in Händen der ´Lichtburg-Theaterbetriebs-GmbH Essen" sind.
Ein Jahr später schrieb der Film-Kurier, dass ab Juli 1930  die Kölner Lichtspieltheater GmbH mit dem Sitz in Berlin das Kino besaß. (Film-Kurier vom 14.8.1931)

Am 14.8.1931 eröffneten die Lichtspiele des Westens unter der Leitung von Paul Jockel als 15. Kino für Jedermann.

Ab 1932 gehörten die Lichtspiele des Westens neben dem Boccacio, dem Primus und den Kammerlichtspielen  zu den Dr. Cotta-Betrieben. Die Fachzeitung "Der Kinematograph" meldete im April 1932: "Dr. Cotta übernimmt das ´LDW.´ in Köln (...)". Cotta fügtr seinem großen Theaterpark die Lichtspiele des Westens hinzu.

Säle

1

Sitzplätze

850

Technik

Die Lichtspiele des Westens verfügten 1928 über die erste Kölner Kinoorgel. Die Kinoorgel übernahm die Funktion des Orchesters. Sie besaß eine Fülle von Klangimitationen und naturgetreuen Geräuschkulissen. Eingesetzt wurde sie während des Films, aber auch in den Pausen. Die Bedienung des Spieltisches der Orgel stellte hohe Anforderungen an den Organisten, den manche Firmen den Kinos mit dem Verkauf der Orgel gleich dazu vermittelten. Neben einer musikalischen Ausbildung musste er vor allem Improvisationstalent haben. Die Kinoorgel erzeugte Geräusche wie Kirchenglocken, Hupe, Wind, Regen, Schiffssirenen, Autohupen, Telefonklingeln, Pferdegetrappel, Donner, Lokomotivdampf und vieles mehr.

Die Lichtspiele des Westens waren auch eines der ersten Tonfilm-Kinos. Weihnachten 1929 zeigten bereits vier Kinos in Köln Tonfilme: Das Agrippina (Breite str.92/98), der Fränkische Hof (Komödienstr. 32-36), Die Lichtspiele des Westens (heute Rex) und die Schauburg (Breite Str.90).


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Lichtspiele des Westens