Fiktionale Produktionen
Die in der KHM und ifs produzierten Spielfilme lassen sich nicht unter eine thematische Kategorie fassen. Ihre Geschichten sind höchst unterschiedlich und erzählen von jugendlichen Protagonisten ebenso wie vom Zusammenleben mit alten Menschen oder dem massiven Einfluss von Arbeitslosigkeit auf die Persönlichkeit.
Kriegerstock
von Joseph Lippok, 2009, ifs
Die alleinstehende Künstlerin Astrid lebt in Köln. Als sie ihren demenzkranken Vater aus dem Heim zur Pflege zu sich nach Hause holt, gerät ihr Leben aus den gewohnten Bahnen. Der alte Mann braucht sowohl im Bad als auch beim Essen Hilfe, verwechselt sie ständig mit ihrer Schwester, erzählt immer wieder die gleiche Geschichte. Astrid kann nicht mehr richtig arbeiten, wird ständig durch ihren Vater vor neue Herausforderungen gestellt und gerät zunehmend an den Rand ihrer Beherrschung.
Als sie ihn wieder einmal alleine auf der Straße herumirrend findet, nimmt sie sich schließlich Zeit und hört seinen Geschichten aus seiner Kindheit und dem zweiten Weltkrieg zu. Sie beginnt die Geschichte zu zeichnen, so dass auch er sie wieder erkennt. (Gedreht wurde u.a. im Stadtteil Chorweiler).
Das Drehbuch stammt von Nathan Raimann und basiert auf der Graphic Novel „Kriegerstock“, die von seiner Mutter Astrid Raimann gezeichnet wurde. Diese wiederum verarbeitet in den Zeichnungen die familiäre Erfahrung der Pflege des demenzkranken Vaters, der von ihr und ihrem Sohn (Nathan Reimann) gepflegt wurde. In dem kammerspielartigen und dichten Film treten der Schauspieler Michael Degen und seine Tochter Elisabeth, ebenfalls Schauspielerin, auf. (Filmcredits)
Der Boden unter den Füßen
von Katharina Tillmanns, 2008, ifs
Frido steckt all seine Energie in die Verteidigung seines Hauses gegen die nahenden Bagger des Braunkohletagebaus. Dass vor kurzem auch noch seine Frau gestorben ist, wirft ihn völlig aus der Bahn. Haus und Grundstück zu verlassen, kommt ihm wie Verrat vor. Gefangen in Erinnerungen und dem ausichtslosen Kampf des Bewahrens nimmt er seine Tochter Lisa nicht mehr wahr, versucht, sie auf seine Seite zu ziehen, obwohl sie schon längst andere Pläne hat. Die aber setzt sie aus Verantwortung und Angst um den Vater beinahe aufs Spiel.
Eine kleine Geschichte, die verortet ist in den verlassenen Ortschaften des Braunkohletageabbaus im Westen Kölns. Der Film verbindet die Auswirkung dieses massiven Eingriffs in die Landschaft und die daraus folgenden Veränderungen der Lebenssituation mit einem familiären Generationskonflikt. (Filmcredits)
Die Umschulung
von Marion Kellmann, 2006, KHM
Science Fiction oder Realität? Ein Kamerateam begleitet den Langzeitarbeitslosen Martin Thielenbach bei einer Umschulung der ganz besonderen Art. Das Projekt ist einzigartig und zukunftsträchtig: Thielenbach soll zu seiner eigenen Comicfigur umgeschult werden.
Jurybegründung für den 2. Preis, Interfilm Kurzfilmfestival Berlin 7.-12.11.2006:
Wir schreiben das Jahr 2006. Hartz IV. Fast 5 Millionen Arbeitslose. Ganz Deutschland ist von Angst besetzt. Ganz Deutschland? Nein. Ein kleines Arbeitsamt im Rheinland leistet Widerstand. Wenn menschliche Existenz zur puren Belastung wird, dann ist ein Problem das sich lösen lässt. In einer eindringlichen Reportage zeigt der Film das Leben eines Langzeitarbeitslosen, der eine aussichtslose Gegenwart gegen eine unendliche Zukunft tauschen darf. Der zweite Preis geht an einen großartigen Lehrfilm über den hoffnungsvollen Weg in die 2D-Existenz. (Filmcredits)
Freitagnacht
Epsiodenfilm 2002, KHM
Vater und Sohn von Franz Müller; Die Betrunkene von Jan Martin Scharf; Taxi von Tini Tüllmann; Die entführte Braut von Philipp Schäfer; Ecstasy von Tom Uhlenbruck; Das Handy von Jens Schillmöller
Regieübung von sechs Studenten und Studentinnen unter Leitung des Regisseurs Wolfgang Becker („Das Leben ist eine Baustelle“). Die sechs Episoden spielen alle während einer Nacht in Köln: Freitagnacht, Auftakt ins Wochenende, der Abend, der schon lange geplant war, der Abend für spontane Begegnungen und besondere Unternehmungen.
Parallel montiert, nehmen die sechs unterschiedlichen Erzählstränge ihren Lauf: Vater und Sohn, die das Wochenende miteinander verbringen, aber nicht wissen, was sie zusammen machen sollen; zwei Freunde, die eigentlich auf ein Konzert wollen, aber dann durch ein Mobiltelefon zu Umwegen gezwungen werden, eine Hochzeit mit Brautentführung und der Erkenntnis der verpassten Chance...
Und für jeden der Protagonisten steht am Ende der Nacht eine neue Erfahrung, eine überraschende Begegnung oder eine enttäuschende Entdeckung.
„Freitag Nacht“ ... hat die postmoderne Zitat-Ästhetik Tarantinos hinter sich gelasen. Sein Realismus lässt einerseits Nähe zu Andreas Dresens Film „Nachtgestalten“ erkennen, wagt andererseits aber auch Abstecher ins Stilisierte, ins Melodram ...“, SZ 28.9.2002, Maik Platzen (Filmcredits)
Narren
von Tom Schreiber, 2002, KHM
Der junge Bauzeichner Roman lebt in Köln, ein schüchterner, eigenbrötlerischer Mensch. Richtig Fuß gefasst hat er in der Stadt noch nicht, seine wichtigste Beziehungsperson scheint seine Großmutter zu sein, um die er sich kümmert. Als die Karnevalszeit beginnt, schaut er dem Treiben zunächst distanziert zu. Doch dann zieht es ihn hinaus und er verliert sich im karnevalistischen Leben. Seine Wahrnehmung verzerrt sich, Masken und Gesichter überlagern sich, die Nubbelfigur vor seinem Fenster wird zur Horrofigur. Alptraum und Wirklichkeit sind kaum noch zu unterscheiden.
Der Film greift ein typisches Kölner Motiv – den Karneval – auf. Manche Eigentümlichkeit dieser lokalen Tradiiton tritt dabei durch die Perspektive des Nicht-Kölners Roman, durch seinen „fremder Blick“ deutlich zutage. Der Film akzentuiert die eher trostlosen, bizarren Momente und die Tage des närrischen Treibens geraten zu einer düsteren Reise, die durch Farbgestaltung, Bewegung und Perspektive der Kamera betont wird. Eine inzwischen historische Aufnahme enthält der Film durch eine kurze Einstellung vor dem Historischen Archiv auf der Severinstraße, wo das Gebäufe vor seinem Einsturz im März 2009 stand. (Filmcredits)
Das weiße Rauschen
von Hans Weingartner, 2001, KHM
Der einundzwanzigjährige Lukas zieht vom Land in die Großstadt Köln zu seiner Schwester in deren WG. Sein Gefühl: jetzt endlich beginnt das Leben. Gemeinsam mit Schwester und deren Freund erlebt er das städtische Nachtleben mit Partys, Drogen und viel Spaß. Doch nach einem Drogentrip beginnt Lukas plötzlich Stimmen zu hören, die ihn verfolgen und beschimpfen. Er zieht sich zurück, wirkt auf seien Mitmenschene oft seltsam und unvermittelt aggressiv. So randaliert er plötzlich im Foyer des ehemaligen Kinos „Lupe“ auf dem Mauritiussteinweg, weil nicht der Film läuft, den er erwartetet hatte und stößt damit sowohl die Kassiererin als auch seine neue Freundin vor den Kopf.
Seine Wahnvorstellungen werden immer massiver, er begeht einen Selbstmordversuch. Ein Psychiater diagnostiziert Schizophrenie, die Krankheit, an der auch seine Mutter litt. Mit starken Medikamenten gelingt es Lukas, die Stimmen zu verdrängen. Doch als er sie absetzt, verschlechtert sich sein Zustand drastisch. Schließlich trifft er auf eine Aussteiger-Gruppe und fährt mit ihr nach Spanien. Hier scheint er Ruhe zu finden.
Der Film übersetzt die Wahrnehmung von Lukas in Bilder und Töne. Nicht nur das „weiße Rauschen“ – Synonym für einen Geräuschpegel, der alle Frequenzen auf einmal enthält –, auch die Kameraperspektive verrückt den Blick auf Umgebung, Menschen und die eigenen vier Wände. Die Montage arbeitet mit Lücken und Sprüngen, die den glatten Handlungsablauf stören. (Filmcredits)






