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Eine Kölner Filmdynastie: Die Familie Epkens (1907-1968)

Die Familie Epkens zählt zu den wenigen Filmdynastien in Köln. Schon der Fotograf Jean Epkens hatte 1907 erkannt, dass das neue Medium Film einer speziellen Pflege bedurfte und eröffnete folgerichtig die "Rheinische Filmklinik" auf dem Eigelstein 66. Er behandelte verkratzte und „regnende“ Filmstreifen und bot später auch deren Kolorierung an. Ausgerechnet die „Rheinische Filmklinik“ wurde Opfer des einsetzenden Kinobooms in Köln und musste 1911 dem dort errichteten Luna-Kinema weichen. Jean Epkens hatte jedoch seinen drei Neffen Edmund, Friedrich und Ludwig das Wissen über Filmkopierung, Filmausbesserung und -Entwicklung vermittelt und damit deren berufliche Karrieren entscheidend geprägt.


Kameramänner der Firma Epkens

Edmund Epkens absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre, die er jedoch Anfang 1914 abbrach, um sich von Karl Krudewig, einem Operateur des „Pathé Journals“, in die Geheimnisse der Filmproduktion einweihen zu lassen. Mit 17 Jahren wurde er von Emil Schilling, dem Besitzer des „Modernen Theaters“, als Kinovorführer engagiert, da einige seiner Angestellten als Soldaten in den Krieg eingezogen worden waren. Da Schilling auch als Produzent tätig war, konnte Edmund Epkens seine ersten Reportagen drehen: beispielsweise vom Besuch der Kaiserin Auguste Viktoria in Köln, die 1918 im Volksgartenrestaurant, das zwischenzeitlich zum Kriegslazarett umfunktioniert worden war, Blumen an verwundete Soldaten verteilte.

Als er 1919 im Alter von kaum zwanzig Jahren mit anderen Filmenthusiasten die Firma „Cyklop Film“ begründete, war Edmund Epkens trotz seines jugendlichen Alters also kein Unbekannter in der Kölner Filmszene. Die „Cyklop Film“ realisierte in dichter Folge ein halbes Dutzend Spielfilme. Sie trugen Titel wie „Der kranke Künstler“, „O, du mein Köln!“, „Die Wohnungsnot“, „Das Weib des Overstolzen“, „Der Onkel vom Lande“ und „Ihr letzter Fall“. Nach allem, was sich darüber noch finden lässt, handelte es um unterhaltsame Streifen mit Kölner Darstellern, u.a. mit Schauspielern des Millowitsch-Theaters wie Cordy Millowitsch, die zwar im Rheinland recht populär waren, aber darüber hinaus keine tieferen Spuren in der Filmgeschichte hinterließen.

Bereits ein Jahr nach Gründung der „Cyklop Film“ verließ Edmund Epkens die Firma, um fortan als freischaffender Kameramann und Filmreporter für die Wochenschauen der Firmen „Gaumont“, „Pathé“, „Emelka“, „Trianon Phoebus“ und „Opel“ zu arbeiten. Nebenbei filmte er auch aktuelle lokale Ereignisse für eine „Kölner Woche“, die speziell auf hiesige Kinobesitzer zugeschnitten war und oft als Zugnummer in der Programmgestaltung eingesetzt wurde. In seinem Studio in Rodenkirchen (Weisserstr. 16) realisierte er Industrie-, Werbe- und Lehrfilme.

Dazu gehörte auch „Werdet Rundfunkhörer!“, eine Auftragsarbeit für die „Westdeutsche Rundfunk AG“ (WERAG), als der Sender 1926 von Münster nach Köln übersiedelte. Dafür begleitete Epkens 1926 einen Wagen der WERAG, der mit den neuesten „Übertragungsapparaten“ eine Werbetour durch das Sendegebiet unternahm, mit seiner Kamera („Achtung, Achtung, die Rundfunkwerbewagen kommen!“) und schnitt dazu erklärende Trickaufnahmen in den Film ein.

Im Jahre 1928 drehte Epkens auf der PRESSA. Für diese „Weltfachausstellung“ von Presseerzeugnissen wurde auf dem Messegelände in Deutz ein „88 Meter hoher Pressa-Turm“ gebaut. Das internationale Großereignis lockte in der Zeit von Mai bis Oktober fünf Millionen Besucher nach Köln. Unter ihnen waren zahlreiche Reporter von Wochenschauen, so dass weitere Filmberichte über die „Weltschau am Rhein“, die „Ehrengäste auf der Pressa“ und über die „Großmacht Presse“ für die „Emelka Woche“ entstanden.

Epkens filmte auch die Grundsteinlegung der „Fordwerke in Köln 1930“ und brachte den „Autokönig“ Henry Ford, „der eine Abneigung gegen Fotografen und Filmleute“ hatte, vor die Kamera.

In einem Artikel zu Epkens 65. Geburtstag berichtet die “Kölnische Rundschau” rückblickend am 7. April 1960: ”Mit Henry Ford kam es zu einer eigenartigen Begegnung. Der Autokönig hatte eine Abneigung gegen Fotografen und Filmleute. Durch eine elegante Seitwärtsbewegung verstand er sich fast immer der Aufnahme zu entziehen. Nun hatte Edmund Epkens ihn bei der Grundsteinlegung der Kölner Fordwerke während der drei Hammerschläge erwischt. Aber dieser Sieg war ihm zu billig, weil der alte Herr sich schließlich in einer ausweglosen Situation befunden hatte. Deshalb sollte Mister Ford nach wenigen Minuten noch einmal Opfer der Kamera werden: Nach der Grundsteinlegung begab sich die Festgesellschaft an den Rhein. Diesmal war es eine faire Überraschung. Henry Ford gab sich endgültig geschlagen und ließ sich bereitwillig auf Filmband verewigen“.

Auch die Brüder Friedrich (Kaufmann) und Ludwig (Tontechniker) Epkens, blieben der Familientradition treu und gründeten 1919 die „Rheinischen Filmwerke“. (Edmund war anfangs daran beteiligt). Ludwig galt in der Familie als der Entdeckergeist. Er hatte schon als Jugendlicher Fotoapparate gebaut und entwickelte ein eigenes Kopierverfahren für Filme. Als nach der Einführung des Tonfilms im Jahre 1927 die Preise für die neuen Kameras auf 120 000 Mark hoch schnellten, konstruierte er 1929 das weitaus preiswertere Licht-Ton-System-Epkens.

Mit ihrem Bruder Edmund betrieben Ludwig und Friedrich ihre Kopieranstalt im Haus des Vaters in Rodenkirchen (Weisserstr. 16) und sie wirkten auch an dessen Spielfilmproduktionen in den Jahren 1919 und 1920 mit.

Als Wochenschaureporter war Edmund Epkens ab 1933 bei zahlreichen Aufmärschen und Veranstaltungen des NS-Regimes als Kameramann dabei und Leni Riefenstahl engagierte ihn als einen von 70 Kameramännern für ihren Olympia-Film (1936). Außerdem drehte er in der NS-Zeit Werbefilme u.a. für 4711 „Köln und „4711“ – weltberühmt“ und für die Zollstocker Tapetenfabrik Flamersheim & Steinmann „Die Herstellung der Tapete“.

Im Krieg war er einer Propaganda-Kompanie zugeteilt und als „erster Kameramann in Marseille, wo er Trümmer und Blut filmte“. Er gehörte zu den wenigen, die einen der vielen Luftangriffe auf Köln filmen konnte und drehte auch unmittelbar nach Kriegsende erste Aufnahmen der zerstörten Stadt.

Nach dem Krieg machte er 1946 erste Aufnahmen für die Firma Ford, für die er bereits 1930 gearbeitet hatte. Für die damals unglaubliche Tagesgage von 150 Mark bekam er den Auftrag, die Entstehung des ersten Ford-Taunus zu filmen (Kölner Stadt-Anzeiger vom 9.9.1964).

Von der Kamera kehrte er zum Vorführapparat zurück: er kaufte kurz nach dem Krieg in Mehlem bei Bad Godesberg einen alten Tanzsaal, den er in die „Mehlemer Lichtspiele“ umwandelte und betrieb auch noch 1964 in Köln das Filmtheater „Bambi“ am Ebertplatz.

Ludwig und Friedrich Epkens ließen ihre „Rheinischen Filmwerke“ im Juli 1935 in das Kölner Handelsregister eintragen und wurden – wie alle Filmschaffenden – Mitglied der Reichsfilmkammer. Im Jahre 1943 wurde das Haus des Vaters in Rodenkirchen, in dem die Brüder eine Filmkopieranstalt und ein Lager für die von ihnen vertriebenen Filmapparate und Artikel des Kinobedarfs unterhielten, ausgebombt. Nach dem Krieg entstand die Firma in Köln-Mülheim unter dem selben Namen neu.

Zum 1. Januar 1947 erhielten Ludwig und Friedrich Epkens wieder eine Betriebsgenehmigung u.a. auch für Filmreinigung, Filmpflege, Filmkopierung und Herstellung von Filmen jeder Art. Sie meldeten 14 Beschäftigte und zwei Lehrlinge mit der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden im Mai 1947 an. Ludwig Epkens ging 1949 nach Tenningen/Baden und baute dort ein Kopierwerk mit 25 Mitarbeitern auf, in dem er hauptsächlich für eine französische Wochenschau Kopien anfertigte. 1954 starb Friedrich Epkens und Ludwig kehrte zurück nach Köln. Hier baute er den vom verstorbenen Bruder eingerichteten Betrieb auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses in Köln Mülheim (Grünstr. 65/Ecke Horststraße) weiter aus, nachdem im Februar 1957 das Ausgleichsamt Köln einen Darlehensantrag dafür genehmigte.

Im Jahr 1958 beglückwünschte ihn der Hauptgeschäftsführer der IHK Dr. Hilgermann zum 25-jährigen Bestehen der Firma und zu den beachtlichen Erfolgen in den letzten Jahren: Das Werk in Mülheim hatte sich neben dem Kopierwerk mit seinen modernen Mischpulten und Überspielgeräten auch zu einem innovativen Synchronatelier in Deutschland entwickelt.